Lexipedia

Christ Katja · Nationalrat · 2022-03-17

Christ Katja · Nationalrat · Basel-Stadt · Grünliberale Fraktion · 2022-03-17

Wortprotokoll

Die Neat ist eine Erfolgsgeschichte. Ein Jahr nach der Eröffnung der Neat mit dem Ceneri-Basistunnel und dem 4-Meter-Korridor hat sich die Verlagerung von der Strasse auf die Bahn beschleunigt. Mittlerweile durchqueren fast drei Viertel der Güter die Schweizer Alpen auf den Schienen, und damit kann die Schweiz im Ländervergleich stolz auf das Erreichte sein.

Der Verlagerungsbericht zeigt, wie wichtig die Verlagerungsinstrumente LSVA, Nachtfahrverbot, Schwerverkehrskontrollen oder Rola bis 2028 sind, da sonst eine Rückverlagerung auf die Strasse droht. Die Schweiz sollte das Eisen schmieden, solange es heiss ist, und diese Potenziale effizient ausschöpfen. Das bedarfsgerechte Trassenangebot, die Problematik der Baustellen oder die punktuelle Anpassung der Infrastruktur wie die Optimierung der wichtigen Bahndrehscheiben sollten daher zügig angegangen werden.

Dabei bekommt die Schweiz Rückenwind von der EU: Im Rahmen ihrer Strategie mit Massnahmen zur Stärkung des Schienengüterverkehrs stellt die EU für den Ausbau der Infrastruktur zusätzliche 2 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Schweiz sollte dieses Momentum nutzen, denn das Verhältnis der EU zur Schweiz kann man wohl als leicht unterkühlt bezeichnen. Zentral ist, das Nadelöhr des Neat-Zubringers "südliche deutsche Rheintalstrecke" zu beseitigen. Als gemeinsames Bahnprojekt mit Frankreich wäre auch denkbar, eine alte, bereits bestehende, nicht elektrifizierte Flachbahn von Wörth über Lauterbourg nach Strassburg bis 2030 zu elektrifizieren und den geltenden Parametern von Güterzügen anzupassen. Diese zweite voll ausgebaute Zulaufstrecke nördlich der Schweiz wäre zentral für die Versorgungssicherheit der Schweiz.

Weiteres europaweites Verlagerungspotenzial bietet auch das richtige und einheitliche Equipment. Im kombinierten Güterverkehr setzte sich in den letzten Jahren der Standard der kranbaren Sattelauflieger durch, deren Anteil erst 20 Prozent entspricht. Diese können mit einem Kran, ähnlich wie ein Container, auf Bahnwagen oder Schiffe verladen werden und sind nur unwesentlich teurer als konventionelle Sattelauflieger. Die Hürde für die Nutzung der Bahn wäre für die Fuhrhalter deutlich tiefer, denn bei den nicht kranbaren Lastwagen müssen die Güter aufwendig mit Gabelstaplern bei den Umladepunkten auf die Bahn verfrachtet werden. Daher fahren zahlreiche Lastwagen ohne Umlad über die Strasse - via Alpen.

Da die Sattelzüge mit 74 Prozent den alpenquerenden Strassengüterverkehr dominieren und damit die Voraussetzungen für kranbare Sattelauflieger erfüllen, ist die Förderung kranbarer Sattelauflieger eine sehr effektive und kostengünstige Massnahme zur Verlagerung. Wir begrüssen auch, dass die Förderung des alpenquerenden kombinierten Verkehrs so angepasst werden soll, dass eine stärkere Förderung für Neuverkehre und für Regionen mit heute geringem Marktanteil der Schiene, aber hohem Verlagerungspotenzial möglich ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verlagerungspolitik erfolgreich ist und von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert und mitgetragen wird, dass aber noch grosse Verlagerungspotenziale vorhanden sind. Lassen Sie uns diese Chance nutzen und die Potenziale ausschöpfen!

Die Grünliberalen begrüssen zudem die Motion 22.3013, "Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Güterverkehrskorridors durch die Schweiz stärken", die Motion 22.3000, "Weiterführung der erfolgreichen Verlagerungspolitik und Gewährleistung der nationalen Versorgungssicherheit dank Ausbau des linksrheinischen Neat-Zubringers Wörth-Strassburg", und das Postulat 22.3001, "Stärkung der Verlagerung durch den Einsatz von kranbaren Sattelaufliegern".