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AB 301383

Suter Gabriela · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-06-02

Wortprotokoll

Unerfahrenheit, hohe Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung, kombiniert mit einem PS-starken Auto, das ergibt eine fatale, teilweise sogar tödliche Mischung. Junglenker - es sind tatsächlich meist Männer - mit hochmotorisierten Fahrzeugen, oft mit gemieteten oder geleasten PS-Boliden, die ihr Auto nicht im Griff haben, sind ein zunehmendes Problem. Das zeigen die Unfallstatistiken. Es kommt immer wieder zu Verkehrsunfällen, weil die Fahrzeuglenkenden die schiere Kraft solcher Sportwagen nicht beherrschen; dies auch, weil sie sicherheitsrelevante Assistenzsysteme häufig ausschalten, um den Spassfaktor zu erhöhen.

Bei den Verunfallten handelt es sich vielfach um Leute mit einem Führerausweis auf Probe. Diese Leute sind ein Sicherheitsrisiko, und sie gefährden mit ihrem unverantwortlichen Verhalten nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Begleitpersonen und die anderen Verkehrsteilnehmenden. Zu diesem Schluss kommt auch die Aargauer Kantonspolizei. Sie unterstützt meine Forderung, bei Personenwagen eine PS-Beschränkung für Fahrzeuglenkende mit Führerausweis auf Probe einzuführen. Sie rechnet damit, dass die Problematik in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Es ist deshalb wichtig, dass nun die richtigen Massnahmen getroffen werden, bevor sich der Trend noch weiter akzentuiert.

Der Bundesrat sagt in seiner Antwort, dass es nur wenige solche Unfälle gibt. Wenn man die Zahlen im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Verkehrsunfälle anschaut, dann stimmt das natürlich. Aber die Zahlen sagen auch, dass Neu- und Junglenkende zwischen 18 und 24 Jahren ein deutlich höheres Risiko als alle anderen Altersgruppen haben, an einem schweren Unfall beteiligt zu sein. Sie verursachen diese Unfälle häufig selber. Diese Unfälle sind besonders sicherheitsrelevant, und sie wären einfach zu vermeiden. Auch Road Cross, die Stiftung für Verkehrssicherheit, hat sich schon mehrfach positiv zu einer PS-Beschränkung geäussert.

Wir dürfen solche schweren Unfälle nicht einfach in Kauf nehmen. Jeder schwere Unfall ist einer zu viel. Es geht um Menschenleben. Wer mit achtzehn Jahren den Führerausweis macht, darf theoretisch sofort einen PS-Boliden mit 400 PS oder mehr fahren. Alle, die schon einmal ein derart PS-starkes Auto gefahren sind, wissen, dass diese äusserst schnell reagieren und beschleunigen. Es ist anspruchsvoll, ein Auto zu fahren, das so schnell beschleunigen kann. Zusätzlich vermittelt einem der viel höhere Komfort von PS-starken Autos das trügerische Gefühl, dass eine 50er-Kurve locker mit 80 genommen werden kann. Bei Autos mit weniger PS sind die physikalischen Gesetze besser spürbar; wenn man mit 130 fährt, dann ruckelt es, und die Fahrgeräusche sind hörbar.

Wie könnte die Motion konkret umgesetzt werden? Man könnte bei den Personenwagen eine ähnliche Regelung einführen wie bei den Motorrädern. Dort hat man mit einem abgestuften Vorgehen gute Erfahrungen gemacht. Unerfahrene Führerscheinneulinge dürfen nicht von Beginn weg auf ein stark motorisiertes Motorrad steigen. Die Unfallstatistik zeigt, dass dieses Modell erfolgreich ist.

In meiner Motion lasse ich bewusst offen, wie hoch die PS-Limite angesetzt werden soll. Ich könnte mir eine Limite von etwa 200 PS vorstellen. Es geht mir darum, die gröbsten Auswüchse zu verhindern, nicht darum, dass die Leute die Familienautos nicht mehr fahren können. Die Neulenkerinnen und Neulenker sollen gängige Mittelklasseautos fahren können. Sie hätten auch Zugang zu Car-Sharing-Fahrzeugen. Es wäre aber in den ersten drei Jahren nicht mehr möglich, 400 PS starke Boliden zu fahren oder zu leasen. Man soll bei der PS-Beschränkung auch zwischen Autos mit Verbrennungsmotoren und Elektrofahrzeugen differenzieren. Übrigens haben auch andere Länder wie Kroatien und Italien solche Beschränkungen mit gutem Erfolg eingeführt.

Ich fordere eine PS-Beschränkung für Neulenkende, genauso wie es auch die Aargauer Kantonspolizei vorschlägt und wie sie für Motorräder bereits besteht. Neulenkerinnen und Neulenker sollen zuerst einige Jahre, zum Beispiel eben für die Dauer des Führerscheins auf Probe, mit schwächeren Motoren Erfahrungen sammeln, bevor sie leistungsstarke Autos fahren dürfen.

Ich bitte Sie, meiner Motion zuzustimmen.