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Flach Beat · Nationalrat · 2022-06-09

Flach Beat · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2022-06-09

Wortprotokoll

Die Bundesrätin hat es gerade ausgeführt: Es wurden verschiedenste Massnahmen ergriffen, um die Bestände insbesondere im Bereich des Kaderpersonals bei der Armee, aber auch im Zivilschutz für die Zukunft zu sichern. Wir tun das, mit Verlaub, schon seit vielen Jahren mit verschiedensten Massnahmen. Wir wissen alle auch seit vielen Jahren, dass wir eines der Hauptpotenziale, das wir hätten, um alle diese Bestände mit Spezialistinnen und Spezialisten aufzufüllen und die Gewähr zu leisten, dass wir die Fachleute - Fachfrauen, Fachmänner - bei der Miliz am richtigen Ort haben, im Moment einfach aussen vor lassen.

Weniger als 1 Prozent der Frauen leistet Militärdienst. Das hat verschiedene Gründe. Ein Hauptgrund liegt natürlich darin, dass es keine Pflicht gibt, das ist klar. Aber bis es vielleicht dereinst einmal eine Pflicht gibt, eine Art "service citoyen", eine Dienstpflicht für alle, vielleicht das Norweger Modell à la Suisse respektive à la Grünliberale, das wir schon seit vielen Jahren fordern, wird noch einige Zeit durchs Land ziehen. Bis dann werden wir immer noch das Problem haben, dass die Frauen nicht oder nur in zu geringer Zahl in die Armee eintreten.

Es gibt heute die Möglichkeit von Vorinformationen, von Informationsabenden und Orientierungstagen. Alle diese Anlässe und die Broschüren im Internet, die kleinen Filme, die Ansprachen an diesen Anlässen sind aber viel zu theoretisch. Vor allen Dingen sind sie nicht geeignet dazu, Frauen davon zu überzeugen, dass sie tatsächlich gemeinsam mit anderen Frauen eine kameradschaftliche, herausfordernde, spannende und eben auch dem Lande dienende Dienstzeit absolvieren können.

Deshalb fordere ich den Bundesrat auf, diese Lücke mit einer Schnupper-RS für Frauen zu füllen. Er soll die Möglichkeit schaffen, dass sich Frauen freiwillig für eine durchaus herausfordernde, anspruchsvolle, mit einem Programm versehene Schnupper-RS einschreiben können und lernen, erfahren, sehen und spüren können, ob sie die Herausforderung annehmen wollen, Dienst in der Armee zu leisten.

Eine kleine Anmerkung aus meiner Zeit als Feuerwehroffizier: Wir hatten das Problem, dass wir zu wenig Männer im Dorf hatten, um die Einsatzfähigkeit tagsüber sicherzustellen. Wir haben es dann fertiggebracht, einen Trupp Frauen zusammenzustellen. Wir haben dafür von Anfang an auf mehrere Frauen gesetzt, die dann die Maschinistenausbildung gemacht haben und schliesslich auch tatsächlich Dienst geleistet haben. Meine Frau hat z. B. über zehn Jahre lang vollkommen freiwillig Feuerwehrdienst geleistet, aber eben auch im Wissen darum, dass es eine kameradschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Frauen gibt.

Frauen alleine an einen Orientierungstag zu schicken oder zu hoffen, dass sie kommen, funktioniert nicht. Es braucht eine solche Schnupper-RS. Die Armee ist in der Lage, diese zu organisieren. Sie kann sie bestimmt auch ganz hervorragend programmieren, planen und dort das Feuer und die Freude für diesen Einsatz entfachen. Die Entscheidung, ob die Schnupper-RS dann 14 Tage oder 10 Tage dauert, kann man, glaube ich, am Schluss der Armee überlassen. Wichtig ist, dass wir damit endlich das Potenzial ausschöpfen, das wir haben, und auf diese Art und Weise mehr Frauen in die Armee bringen.

Ich bitte Sie, diese Motion anzunehmen.