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Engler Stefan · Ständerat · 2022-06-14

Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-06-14

Wortprotokoll

Ihnen liegt der Bericht vor. Ihm entnehmen Sie auch, was die Motion will. Sie möchte nämlich den Bundesrat beauftragen, die landwirtschaftliche Forschung von Agroscope für eine moderne Bewirtschaftung von Weiden im Berg- und Sömmerungsgebiet wesentlich auszubauen.

Der Nationalrat hat dieser Motion mit 123 zu 44 Stimmen zugestimmt. Mit 7 zu 0 Stimmen bei 5 Enthaltungen empfiehlt Ihnen Ihre WAK die Motion ebenfalls zur Annahme.

Sie muss es wissen, unsere Kollegin Maya Graf und ehemalige Nationalratspräsidentin, die auf der Rinder- und Kälberalp im bündnerischen Salouf praktische Älplererfahrung gesammelt und in einer Publikation zur Zukunft der schweizerischen Alpwirtschaft geschrieben hat: "Während über die Landwirtschaftspolitik immer heftig und kontrovers debattiert wird, sind sich jeweils alle einig, dass die Alpwirtschaft unterstützt werden soll. Die wichtige Arbeit im rauen Bergklima, die Bergbauernfamilien und Älplerinnen und Älpler jeden Sommer leisten, wird anerkannt und von allen geschätzt. Diese breite Unterstützung wurzelt darin, dass die Alpwirtschaft nicht nur für die Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag leistet, sondern auch für Tradition, Folklore und Naturschutz. Viehsömmerung prägt unsere Berglandschaften - in den Alpen wie im Jura [...]. Zudem ist die Artenvielfalt in den Bergen dort am höchsten, wo die Alpwirtschaft nachhaltig funktioniert." Damit zeichnet sie ein wunderbares Bild der Tragweite und Bedeutung der Alpwirtschaft in unserem Land.

Das Forschungsprogramm "Alpfutur" beschreibt in seinem Schlussbericht des Jahres 2013 auf sehr anschauliche Art und Weise, was die Alpwirtschaft beeinflusst, was sie bedroht, was sie herausfordert, aber auch, wo die Chancen für die Sömmerungsbetriebe in Zukunft liegen. Es sind vielfältige Rahmenbedingungen, denen die Sömmerungsbetriebe und damit unsere Alpwirtschaft ausgesetzt sind:

1.[NB]Strukturelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Die veränderten landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen, die Betriebs- und Produktionsbedingungen, der Kosten- und Preisdruck, der technische Fortschritt, aber auch das fehlende Alppersonal - all das sind Faktoren, die die Alpbewirtschaftung beeinflussen.

2.[NB]Natürliche Prozesse in Natur und Umwelt, wie die Verbuschung von Weiden, drohende Naturgefahren, der Klimawandel - all das sind Rahmenbedingungen, welche die Alpsömmerung auf Dauer verändern können.

3.[NB]Regulierung: Regulierungen bezüglich der landwirtschaftlichen Förderung, der Raumplanung, des Gewässerschutzes, der Lebensmittelhygiene, aber auch des Tier- und Artenschutzes - dazu gehört auch der Umgang mit dem Grossraubwild - machen Arbeit und Leben auf unseren Alpen nicht immer leicht.

Jetzt aber zurück zur Motion: Sie ist sehr offen formuliert. Sie lässt dem Bundesrat deshalb einen erheblichen Spielraum bezüglich Umfang und Inhalt einer neuen alpwirtschaftlichen [PAGE 521] Schwerpunktbildung in der landwirtschaftlichen Forschung. Für mich steht dabei quasi ein Anschlussprogramm zum jetzt zehn Jahre zurückliegenden Forschungsprogramm "Alpfutur" im Vordergrund. Dessen Forschungsbericht enthält verschiedene Hinweise auf Fragen und Themen, die dannzumal nicht erforscht werden konnten.

Ich möchte dem Bundesrat und dem zuständigen Departement aber auch zugutehalten, dass ja nicht nichts geschehen ist, im Gegenteil: Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung und vor allem Agroscope haben in den vergangenen Jahren, auch nach Einreichung dieser Motion, einiges unternommen, um die Erforschung der Alp- und Berglandwirtschaft voranzutreiben. Mit der Versuchsstation Alp- und Berglandwirtschaft wurde ganz konkret darauf hingewirkt, dass agronomische, strukturelle, produktions- und wertschöpfungsorientierte Fragen rund um die Alp- und Berglandwirtschaft weiter erforscht werden können. Eine standortangepasste Bewirtschaftung bei sich ändernden klimatischen Bedingungen, die Milchtechnologie[NB]sowie[NB]Betriebswirtschaft und Soziales sind die Forschungsschwerpunkte, die man in dieser Versuchsstation erproben möchte.

Nun könnten Sie sich sagen, mit dieser Ausweitung sei der Auftrag der Motion erfüllt, die ihren Ursprung bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) bzw. beim Motionär, unserem ehemaligen Nationalratskollegen Thomas Egger, hat und von Nationalrat Candinas übernommen worden ist; damit sei ihr Ziel eigentlich bereits erreicht. Wir glauben das nicht. Denn es braucht jetzt auch noch einen etwas längeren Atem und Durchhaltewillen, um diesen Forschungsschwerpunkt in die Tat umzusetzen, in der Anwendung auch zu experimentieren und etwa Antworten auf folgende Fragen zu finden: Welche Anforderungen werden an optimierte Alpkonzepte gestellt? Wie schaffen wir es, den Städtern das System Alpwirtschaft zu erklären? Welche Chancen für die Alpwirtschaft eröffnen moderne Technologien und die Technisierung? Wie wirkt sich die fortschreitende Einwaldung auf den Artenschutz und die Weidehaltung, aber auch bezüglich der Naturgefahren aus? Welches sind die Auswirkungen des Klimawandels? Auch die Frage der praxisnahen Anwendungen bezüglich Nutztierhaltung, der Einsatz der digitalen Technik zum Herdenschutz und zur Tierordnung - all das sind Themen, bei denen es sich lohnt, verstärkt und noch intensiver zu forschen.

Deshalb unterstützt die Mehrheit die Motion - die dem Bundesrat, wie gesagt, viel Freiraum lässt -, um auch in Zukunft einen Forschungsschwerpunkt bei der Alp- und Berglandwirtschaft zu setzen.