Dettling Marcel · Nationalrat · 2022-09-12
Dettling Marcel · Nationalrat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2022-09-12
Wortprotokoll
Die Schweiz gilt als Grasland, prädestiniert für die Milchproduktion: Kühe wandeln Gras in Milch um, und am Lebensende gibt es noch Fleisch daraus - eigentlich ein sensationeller Kreislauf. Das Problem, das wir dabei in der Schweiz haben, ist aber, dass unsere Milchpreise nicht kostendeckend sind.
Milch wäre genug verfügbar. Milch ist gleichzeitig der wichtigste Betriebszweig. Der Anteil am Produktionswert in der Schweizer Landwirtschaft beträgt 23,4 Prozent, also knapp ein Viertel. 3,38 Millionen Tonnen Milch werden jährlich produziert. Der ausbezahlte Milchpreis bewegt sich zwischen 55 und 60 Rappen, und dies im Hochlohnland Schweiz. Statt nun die Milch anständig zu bezahlen, wird Milch importiert. Das geht gar nicht!
Warum wird der Preis nicht angehoben? Weil der Markt mit Billigimporten ausgehebelt wird, weil Gesuche mit einer Laufzeit von drei Jahren bewilligt werden. 2019 lag der Anteil der Milch, die in der Schweiz in Käse umgewandelt wurde, bei 44 Prozent; 39 Prozent davon wurden exportiert. Mit den Importen wird nun versucht, den Markt auszuhebeln. Bei einer grossen Nachfrage und einem normalen Angebot wäre es normal, dass der Preis steigt. Milchimporte hebeln aber den Markt aus. Die Milchpreise sind heute nicht kostendeckend. Wenn ein anständiger Milchpreis bezahlt würde, bekäme man die Milch im Inland.
Das Argument des Bundesrates, dass so nur Rohstoffnachteile ausgeglichen würden, stimmt nicht - dies ist eine billige Ausrede. Für diesen Rohstoffnachteil haben wir die Verkäsungszulage; Kostenpunkt: 230 Millionen Franken. Hier möchten wir auch vom Parlament aus eine Qualitätsstrategie: gute Produkte für den Export. Mit den Importen wird genau dies konkurrenziert und ausgehebelt.
Dass Verarbeiter lieber Milch importieren, anstatt endlich kostendeckende Preise zu bezahlen, sollten wir nicht akzeptieren. Auf diese Weise wird die Arbeit der Bauernfamilien nicht honoriert. Es erstaunt nicht, dass so viele mit der Milchproduktion aufhören. Heute gibt es in der Schweiz noch 18[NB]000 Milchwirtschaftsbetriebe - vor zwanzig Jahren waren es 35[NB]000. Tragen wir also Sorge zu denjenigen, die noch Milch produzieren. So haben alle etwas davon.