Schmid Martin · Ständerat · 2022-09-15
Schmid Martin · Ständerat · Graubünden · FDP-Liberale Fraktion · 2022-09-15
Wortprotokoll
Seit Längerem darf ich, auch beruflich, das Projekt der alpinen Solaranlage in Gondo begleiten - das zu meiner Interessenbindung.
Ich bin überzeugt, dass die Kommission hier einen richtigen Ansatz wählt. Die Frau Bundesrätin hat darauf hingewiesen: Wir befinden uns höchstwahrscheinlich in der grössten Energiekrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausgangslage ist vielleicht nicht nur für diesen Winter schwierig, sie könnte auch für die nächsten Winter schwierig werden. Ich möchte einfach darauf hinweisen, dass sich diejenigen, die jetzt davon ausgehen, dass wir im Frühjahr sämtliche Themen rund um Strom oder Gas bewältigt haben werden - was ich auch hoffe -, bewusst sein müssen, dass das im gegenwärtigen Umfeld nicht gesichert ist.
Das war auch die Ausgangslage in der Kommission. Wir sagten, dass wir im Bereich der Solaranlagen keinen zweiten Fall Grimsel erleben möchten. Schauen Sie, über das Grimsel-Wasserkraftprojekt sprechen wir seit nunmehr zwanzig Jahren; wir haben Anwälte, die seit zwanzig Jahren gutes Geld damit verdienen, Beamte, die planen, und Richter, die entscheiden und zurückschicken. Ist das unsere Energiepolitik der Zukunft? Wie gesagt, das war die Ausgangslage in der Kommission.
Das heisst, in der Schweiz realisieren wir keine Projekte. Deshalb müssen Sie etwas Verständnis dafür haben, dass wir diese Themen nun aufgegriffen haben. Als Kommission haben wir, glaube ich, einfach die Zeichen der Zeit erkannt. Ich bin auch überzeugt, dass uns die Bevölkerung in dieser Analyse folgen wird.
Wenn wir nun zu den Details kommen, ist es mir wichtig, den Winterstrom zu erwähnen. Da liegt, das haben wir vorhin diskutiert, der Unterschied zu den Gebäuden. Der Zwang bezüglich der Gebäude wird höchstwahrscheinlich dazu führen, dass wir vielleicht einen Drittel des Stroms im Winterhalbjahr auf Dächern im Mittelland produzieren werden. Wir haben aber gesagt, bei alpinen Solaranlagen wollen wir, dass 45 Prozent des Stromes im Winterhalbjahr entsteht. Das erklärt auch unseren Fokus, denn die Winterstromlücke wird nach heutigem Erkenntnisstand unser Problem sein. Diese Anlagen werden höchstwahrscheinlich bifaziale Solarpanels benötigen, die - technisch gesehen - wohl horizontal in die Landschaft gestellt werden. [PAGE 737]
Ich gebe es offen zu: Wir haben über Grengiols diskutiert, wir haben über Gondo diskutiert. Das sind die Projekte, die heute auch öffentlich in den Medien diskutiert werden und die, neben dem von Kollege Würth erwähnten Projekt am Walensee, am weitesten fortgeschritten sind. Es gibt höchstwahrscheinlich nur wenige Möglichkeiten für so grosse Anlagen.
Dann haben wir nachgerechnet: Die 20 Gigawattstunden Jahresproduktion sind natürlich vom Projekt Gondo abgeleitet worden. Nachrechnungen haben ergeben, dass noch nicht einmal bei diesem Projekt sicher ist, ob man die 20 Gigawattstunden erreichen wird. Es ist einfach so: Es braucht unglaubliche Flächen. Wir sind uns gar nicht bewusst, wie gross diese sind. Eine solche Anlage benötigt vielleicht 150[NB]000 Quadratmeter. Hier setzt Kollege Würth an, indem er sagt, 10 Gigawattstunden seien die richtige Messgrösse. Das würde höchstwahrscheinlich auch Projekte wie jenes am Walensee ermöglichen, die weit entwickelt sind, aber heute nicht realisiert werden können.
Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass wir dem Einzelantrag Würth zustimmen. Wir schaffen hier eine Möglichkeit, im Wissen darum, dass diese Anlagen immer noch etwa 70[NB]000 Quadratmeter benötigen werden. Jetzt können Sie selbst nachrechnen, wie gross das ist; Kollege Würth hat es Ihnen aufgezeigt. Zudem muss die Anlage auch die Winterstromproduktion ermöglichen. Wir wollen keinen überschüssigen Sommerstrom produzieren, der dann wieder zu einem anderen Problem führt. Wir wollen diese Produktion vor allem im Winterhalbjahr haben.
Ich möchte Ihnen beliebt machen, obwohl ich in der Kommission dem Antrag betreffend die 20 Gigawattstunden zugestimmt habe, dass wir hier den Einzelantrag Würth gutheissen. Er ist eine Verbesserung gegenüber der Kommissionsarbeit.