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Funiciello Tamara · Nationalrat · 2022-09-22

Funiciello Tamara · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-09-22

Wortprotokoll

Worum es bei diesen Krisenzentren eigentlich geht: Wird heute eine Person Opfer von häuslicher, sexualisierter oder geschlechterspezifischer Gewalt, findet sie nicht überall spezialisierte medizinische oder psychologische Unterstützung. Ich mache Ihnen ein sehr plastisches Beispiel: Wenn Sie in der Stadt Zürich vergewaltigt werden und in ein Spital gehen, können Sie nicht davon ausgehen, dass die Person, die Sie betreut, weiss, mit was sie es zu tun hat. Sie können nicht davon ausgehen, dass diese Person weiss, was Sie in diesem Moment brauchen. Sie können vor allem nicht davon ausgehen, dass dann auch ein Protokoll da ist, um diese eh schon dramatische Situation zu verbessern und nicht noch zu verschlechtern und um vor allem auch noch die Beweise zu sichern.

Genau da setzt diese Motion an, genau da setzt die Forderung nach Krisenzentren an. Es geht faktisch darum, dass wir in Spitälern, in bereits bestehenden Spitälern - es geht nicht darum, dass wir neue Institutionen schaffen - oder in Anlaufzentren Protokolle in Kraft treten lassen und Abläufe schaffen. Diese sind zum einen möglichst opferfreundlich und sorgen zum andern dafür, dass die Beweismittel tatsächlich richtig gesichert und aufbewahrt werden. Sie sorgen dafür, dass man den Opfern von sexualisierter Gewalt ein Jahr Zeit lässt, um gegen die Täter wirklich auch vorzugehen. Denn man weiss, dass das in einem ersten Schritt nicht immer passiert und auch schwierig sein kann. Dass das ein gutes Mittel ist, wissen wir aus Erfahrung. Wir wissen es, weil sowohl im Kanton Bern wie auch im Kanton Waadt bereits solche Zentren existieren. Wir wissen aus einer Studie vom letzten Jahr, dass im Kanton Waadt bei einer Strafverfolgung im Rahmen von Sexualdelikten die Erfolgschancen bei 60 Prozent liegen; im Kanton Zürich, der keine solchen Krisenzentren hat, liegt die Erfolgschance eines Opfers bei 7 Prozent.

Es ist sicher nicht das einzige Mittel, aber es ist ein Mittel, um die Erfolgschancen zu verbessern. Daher beantrage ich Ihnen, diese Motion anzunehmen. Es ist übrigens auch eine Massnahme, die von den Kantonen bereits 2018 angenommen wurde. Es wurde gesagt, dass die Kantone das eigentlich umsetzen wollen. Jetzt braucht es offensichtlich noch einmal ein bisschen Druck, damit das dann auch tatsächlich gemacht wird, damit wir Opfern von sexualisierter und häuslicher Gewalt wirklich helfen können.