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Girod Bastien · Nationalrat · 2022-09-26

Girod Bastien · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2022-09-26

Wortprotokoll

Ich spreche zum Antrag meiner Minderheit I zu Artikel 45a, mit dem ich verlange, die Fassung des Ständerates zu übernehmen.

Es geht um eine Krise, die durch die hohe Gas- und AKW-Abhängigkeit verursacht ist. Wir sind mit der Energiewende zu wenig schnell vorwärtsgegangen und sind daher immer noch stark abhängig von Strom aus nicht erneuerbaren Energieträgern. Wir müssen deshalb die Kernenergie oder, besser gesagt, die Kernfusion der Sonne besser nutzen. Die Kernfusion der Sonne ist eine natürliche Energie, die in einem sehr grossen Ausmass auf die bebaute Substanz in der Schweiz strahlt. Wenn wir sie nutzen, können wir damit eigentlich die gesamte Energieversorgung der Schweiz sicherstellen. Das ist ein riesiges Potenzial, das zu wenig genutzt wird. Mittlerweile ist das auch wirtschaftlich. Die Solaranlage auf dem Dach ist also auch gut für das Portemonnaie in der Tasche. Das ist etwas, das sich lohnt und das man machen muss.

Wieso wird es nicht gemacht? Es ist ähnlich wie bei der Gebäudeeffizienz. Die Effizienz ist auch wirtschaftlich, aber trotzdem weiss man, dass die Gebäude, wenn es keine Effizienzvorschriften gäbe, oftmals zu wenig isoliert würden, [PAGE 1705] dass z. B. Fenster zu wenig isoliert wären. Es geht also um Baunormen, welche dabei helfen, anfangs genug zu investieren, damit nachher die Kosten tiefer sind, damit man nachher Geld spart.

Bei der Effizienz hat man das längst begriffen. Man hat entsprechende Baunormen. Bei der Solartechnologie ist man noch nicht so weit. Deshalb muss man auch hier in diese Richtung gehen: Man gibt gewisse Normen vor, damit das grosse Potenzial genutzt wird und damit der betreffende Strom in den Gebäuden zur Verfügung steht.

Mit dem Antrag der Mehrheit der UREK-N wird leider nur ein ganz kleiner Teil des Potenzials der Sonnenenergie genutzt. Schauen wir uns die Zahlen an: Es gibt etwa 12[NB]000 Neubauten. Jetzt bleiben wir nur bei den Neubauten; es gäbe ja auch noch die Sanierungen. Von 12[NB]000 Neubauten werden immer noch 9000 nicht mit Solardächern ausgerüstet. Das ist ein Riesenpotenzial, das nicht genutzt wird. Was macht jetzt die UREK-N? Sie klammert 19 Kantone aus und dann auch noch alle Dächer von Häusern, die kleiner sind als 300 Quadratmeter. Damit bleiben von diesen 9000 Neubauten noch etwa 200 Gebäude, um die es dann schlussendlich geht. Gerade in Anbetracht der Dringlichkeit ist es schade, wenn wir das Potenzial nicht besser ausnutzen.

Man muss auch sagen, dass 300 Quadratmeter viel sind. Wer hier drin hat eine Wohnung, die 300 Quadratmeter gross ist? Es ginge ja um den Grundriss. Das sind etwa zehn Zimmer. Wenn das Gebäude mehrstöckig ist, ist man schnell einmal bei dreissig Zimmern. Das ist eine Megavilla, und sogar die Megavilla soll nicht mit einem Solardach gebaut werden, obwohl es für die Versorgungssicherheit, aber auch für die Wirtschaftlichkeit wichtig wäre, immer daran zu denken. Oft besteht das Problem, dass der Bauherr nicht daran denkt. Es ist wie bei der Effizienz. Es braucht einfach eine Norm, damit die Technologie konsequent genutzt wird und zum neuen Standard wird.

Deshalb bitte ich Sie, hier beim Ständerat zu bleiben. Der Ständerat hat einen guten Beschluss gefasst. Es ist auch nicht so, dass es eine grosse Sache wäre, wenn das alle machen würden, denn in 19 Kantonen haben wir diese Vorschrift ja bereits. 19 Kantone konnten es regeln. Wieso sollen es nicht auch die verbleibenden Kantone machen? Es bringt nichts, hier eine Untergrenze einzuführen. Im Text steht ja, dass die Kantone immer noch Ausnahmen machen können. Das reicht bezüglich Flexibilität. Eine so hohe Untergrenze wäre in Anbetracht der Notwendigkeit, den Solarstrom besser zu nutzen, einfach nicht zu verantworten.

Ich bitte Sie entsprechend, meine Minderheit zu unterstützen.