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Silberschmidt Andri · Nationalrat · 2022-09-27

Silberschmidt Andri · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2022-09-27

Wortprotokoll

Wann mussten Sie das letzte Mal mit einem Arzt oder mit einem Spital einen Termin vereinbaren? Bei mir war das erst kürzlich der Fall. Aufgrund eines Zusammenstosses als Spieler des FC Nationalrat gegen den FC Bundestag musste ich einen Untersuch meines Meniskus vereinbaren. Ich war positiv überrascht, dass ich den Termin online anfragen konnte. Die Bestätigung erfolgte dann aber zwei Wochen später per Post. Das ist natürlich nicht tragisch, aber symptomatisch für den Stand der Digitalisierung im Gesundheitssystem.

Es gibt jedoch durchaus Beispiele, die mir mehr Bauchschmerzen bereiten. Die neugeborene Tochter einer Bekannten hatte ein Geburtsgebrechen, weshalb verschiedene Kliniken und Ärzte besucht werden mussten. Der Informationsfluss zwischen den verschiedenen Akteuren war unkontrolliert. Die Mutter musste via Whatsapp verschiedene Untersuchungsberichte hin- und herschicken. Das ist nicht nur unzumutbar, sondern auch in Sachen Datenschutz ungenügend.

Das Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist immens: Es gibt Studien, die besagen, dass die Kosten um mehrere Milliarden Schweizerfranken gesenkt werden könnten, und dies bei gleichbleibender oder besserer Qualität. Natürlich braucht es hierzu Investitionen in die Technik oder bessere Rahmenbedingungen. Letztere können wir hoffentlich bald im Rahmen der Revision des Gesetzes über das elektronische Patientendossier schaffen.

Es gibt immer mehr chronisch kranke Personen und mehr Menschen, die gleichzeitig an mehreren Krankheiten leiden. Hier sind pro Patient oft mehrere Gesundheitsfachpersonen an der Behandlung beteiligt. Die Gesundheitsfachpersonen müssen Zugriff auf medizinisch relevante Dokumente haben. Dazu braucht es möglichst bald ein funktionierendes Patientendossier, bei dem relevante Informationen eingestellt und geteilt werden können. Heute ist es oft der Fall, dass die Patientin oder der Patient schneller bei der Hausärztin oder beim Hausarzt ist als der Austrittsbericht oder ein Bericht einer Fachärztin bzw. eines Facharztes.

Bei chronisch und mehrfach erkrankten Menschen ist die gleichzeitige Einnahme mehrerer Arzneimittel üblich. Hier können elektronische Systeme die Qualität der Medikation verbessern, Fehler vermeiden und die Patientensicherheit erhöhen. Die digitale Transformation hat also zum Ziel, die Administration zu vereinfachen und einen Beitrag an die Qualität der Behandlung zu leisten.

Technik und Gesetz hin oder her: Die Digitalisierung kann nur mit und nicht gegen die Menschen funktionieren. Somit stellen alle Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, einen Schlüssel zum Erfolg dar. Genau hier setzt meine Motion "Stärkung der digitalen Kompetenzen von Gesundheitsfachpersonen" an.

Man kann nun zu Recht kritisch fragen, ob es überall gesetzliche Ergänzungen im Bereich der Digitalisierung braucht. In diesem Fall ist es aber so, dass der Bund schon heute verschiedene Gesetze erlässt, welche die Aus- und Weiterbildung von Gesundheitsfachpersonen regeln. Beispielsweise ist im Gesundheitsberufegesetz in Artikel 3 Absatz 2 Litera j die Digitalisierung erwähnt. Dies ist leider eine [PAGE 1757] Ausnahme. Es fehlen z. B. heute im Medizinalberufegesetz und im Psychologieberufegesetz entsprechende Hinweise auf die Digitalisierung. Es gibt auch weitere Berufsgruppen, wie beispielsweise die Drogistinnen und Drogisten, die von einer[NB]Anpassung[NB]profitieren[NB]können.[NB]Diesen Missstand gilt es zu beseitigen.

Es freut mich sehr, dass der Bundesrat die Motion unterstützt und ebenfalls gesetzgeberischen Handlungsbedarf sieht, denn ich bin überzeugt, dass wir gerade in der Aus- und Weiterbildung in Sachen Digitalisierung einen grossen Hebel haben. So soll neu jede Gesundheitsfachperson mit den wesentlichen digitalen Prozessen und Möglichkeiten vertraut sein.

Die künftigen Medizinal- und Gesundheitsfachpersonen, die heute ein Studium beginnen, sind alle als Digital Natives aufgewachsen. Die Lehrzielpläne und die medizinische Praxis sind bezüglich der Digitalisierung im[NB]Rückstand. Das Parlament muss dafür sorgen, dass die Aus-, Fort- und Weiterbildungen dem digitalen Stand der Technik angepasst werden und dass die digitalen Möglichkeiten in der Medizin besser genutzt werden können. Das[NB]ist[NB]auch[NB]ein[NB]Instrument,[NB]um[NB]die[NB]Kosten[NB]mittelfristig[NB]zu dämpfen.

Handeln wir nicht, werden Terminbestätigungen auch in fünf Jahren noch per Post verschickt und Eltern von Kindern mit Geburtsgebrechen nach wie vor genötigt, für die Informationssymmetrie zwischen den behandelnden Ärzten zu sorgen.

In diesem Sinne bitte ich Sie, dem Antrag des Bundesrates zu folgen und die Motion anzunehmen.