Gysi Barbara · Nationalrat · 2022-09-27
Gysi Barbara · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-09-27
Wortprotokoll
Ihre Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit wünscht vom Bundesrat einen Bericht zur Situation der Betreuung von Menschen mit Demenz, zur Verbesserung der Finanzierung dieser Betreuungsleistung. Wir erwarten einen Bericht, in dem vor allem Fragen aus dem Bereich der stationären und ambulanten Langzeitpflege beantwortet werden und in dem die Situation von Betreuung und Pflege in den Spitälern, die Situation und Entlastung der betreuenden Angehörigen und der Einsatz von Psychopharmaka thematisiert werden. Diese Punkte sollen in diesem Bericht abgebildet werden.
Zur Situation: Es ist so, dass wir in unserem Land rund 147[NB]000 Menschen haben, die an Demenz erkrankt sind. Bis 2050 wird diese Zahl um rund 300[NB]000 weitere Personen anwachsen. Demenz ist oft eine Folge des Alters, aber nicht nur. Rund 5 Prozent aller Fälle betreffen Menschen vor dem 65.[NB]Altersjahr. Mit zunehmendem Alter steigt natürlich die Prävalenz, zu erkranken. Es ist also ein gravierendes Problem. Es wurde zum Glück schon sehr viel gemacht, und die Stigmatisierung der Krankheit hat zum Glück auch abgenommen. Das haben wir anlässlich des Welt-Alzheimertags letzte Woche auch wieder gehört.
Die Kosten für die Betreuung von Demenzerkrankten sind mit rund 11,8 Milliarden Franken relativ hoch. Ein grosser Teil dieser Kosten wird von Angehörigen, von pflegenden Angehörigen übernommen. Fast die Hälfte, rund 5,5 Milliarden Franken Betreuungsleistungen, wird von Angehörigen übernommen. Pro erkrankte Person sind bis zu drei angehörige Personen involviert.
Es ist also ein gravierendes Problem. Natürlich wollen wir nicht einfach, dass zusätzliche Berichte geschrieben werden. Der Bundesrat wehrt sich ja gegen die Annahme dieses Postulates und verweist auf verschiedene Arbeiten. Aber ich glaube, angesichts der Tatsache, dass der Ständerat in der ersten Sessionswoche die Motion 19.4194 abgelehnt hat, ist es wichtig, eben gerade in diesem Rat mit der Annahme des Postulates ein Zeichen zu setzen. Es muss weitergehen. Natürlich müssen dann auch konkrete Massnahmen ergriffen werden. Das ist auch die Meinung Ihrer Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Aber ich glaube, es ist trotzdem wichtig, dass der Bundesrat auch mit diesem Auftrag zum Bericht an der Arbeit bleibt.
Es ist auch immer wieder aus der Praxis zu hören, dass die Betreuung von Menschen mit Demenz im Bereich der stationären Behandlung in den Spitälern nicht genügend gut abgedeckt ist. Wenn der Personalmangel im stationären Spitalbereich gravierend ist, hat das natürlich auch eine Auswirkung auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen, und solche haben Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Ich glaube, das ist eine grosse Herausforderung. Es braucht auch eine genauere Betrachtung der Betreuung im Spital.
Die betreuenden Angehörigen müssen, wie gesagt, besser entlastet werden. Die Betreuungsleistungen für Menschen mit Demenz müssen eine bessere Finanzierung bekommen. Natürlich geht es auch darum, zu definieren, welche Anteile Pflege sind. Das muss sicher auch noch ausgeweitet werden. Im Rahmen eines Postulatsberichtes kann der Bundesrat aber durchaus auch schon Massnahmen vorschlagen. Er muss nicht einfach nur einen Bericht verfassen; wir erwarten, dass es konkrete Handlungsvorschläge gibt. Es ist sehr wichtig, dieses Problem besser in den Griff zu kriegen, die Menschen gut zu betreuen und auch die Angehörigen bzw. das Umfeld genügend zu entlasten. Denn mit einer guten Betreuung kann die Krankheit auch verzögert werden, das ist ebenfalls sehr wichtig. Behandlung und Betreuung sind wesentliche Aspekte.
Darum bitte ich Sie im Namen der Kommission, dieses Postulat anzunehmen.