Lexipedia

Mäder Jörg · Nationalrat · 2022-09-27

Mäder Jörg · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2022-09-27

Wortprotokoll

Wir leben in einer vernetzten Welt. Das gilt auch für das Gesundheitswesen. Leider ist das in der strategischen Führung des schweizerischen Gesundheitswesens noch nicht angekommen. Was das bedeutet, haben wir in den letzten Jahren gesehen. Die Leute an der Front, egal ob im Spital, in der Apotheke, in den Praxen oder wo auch immer, haben ihr Bestes gegeben. Aber viele Bemühungen hatten nicht oder nur zum Teil den erwünschten Effekt. Es gab zu viele Reibungsverluste, zu viele Probleme bei der Koordination. Das Ergebnis waren Missverständnisse, doppelte Arbeit und Frustration.

Einer der Gründe ist, dass die Kantone für die Gesundheit zuständig sind. In vielen Bereichen ist das ideal, und dort soll sich das auch nicht ändern. Ich will kein zentralistisches Gesundheitssystem. Vernetzt heisst nicht von oben herab, im Gegenteil. Die Kantone können sich auch untereinander koordinieren. Das machen sie auch, aber viel zu wenig, weil es ein "Können" ist, ohne den notwendigen Nachdruck.

Deshalb möchten wir maximal sechs Gesundheitsregionen einführen, Regionen mit dem klaren Auftrag, sich untereinander zu koordinieren, sich zu optimieren. Doppelspurigkeiten sollen ausgemerzt, Absprachen verbessert werden. Wir müssen bei diesem Thema von den fixen Kantonsgrenzen Abschied nehmen. Klar gibt es Krankheiten, die so verbreitet sind, dass es in jeder dieser sechs Regionen mehrere Anlaufstellen geben muss. Bei anderen muss man aber in grösseren Gebilden denken. Bei Volkskrankheiten wie Diabetes oder Asthma steht ein feingliedriges Angebot im Vordergrund, damit jeder leicht Zugang hat. Bei seltenen Krankheiten steht aber die Akkumulation von genügend Fällen, Erfahrung und Wissen im Zentrum, um den Betroffenen die richtige Behandlung gewähren zu können. Je nach Art der Krankheit ist das richtige Einzugsgebiet ein anderes. Die aktuellen Strukturen sind zu starr, die Zusammenarbeit zu unverbindlich. Mit den Gesundheitsregionen wollen wir hier einen Schritt in ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem machen.

Bei der Zusammensetzung der Regionen sollen natürlich geografische Gegebenheiten und kulturelle Unterschiede, insbesondere die Sprache, berücksichtigt werden. Es geht nicht um sechs exakt gleich grosse Regionen, sei das in Bezug auf die Bevölkerung oder die Fläche. Die Zugänglichkeit, typische Fahrwege und der Zugang zum Gesundheitssystem sollen im Vordergrund stehen.

Stellen Sie sich nun die Covid-19-Pandemie mit diesen Regionen vor: Das Contact-Tracing hätte besser funktioniert, die medizinischen Behandlungen wären besser koordiniert gewesen, die Impfkampagnen effizienter, das Chaos kleiner. Warum? Weil es klar definierte Regionen gehabt hätte, Regionen nämlich, die mit dem Alltag der Bürgerinnen und Bürger übereinstimmen würden. Wie viele Menschen hatten an ihrem Wohnort andere Regeln als am Arbeitsort? War das verständlich? Nein. Sechs Gesundheitsregionen hätten hier für weniger Verwirrung und für mehr Nachvollziehbarkeit gesorgt und somit auch für weniger Missmut. Man hätte auf bestehende Strukturen zurückgreifen können, auf Strukturen mit Erfahrung in der Zusammenarbeit, was im Krisenfall ein entscheidender Vorteil ist. All das hatten wir nicht - leider!

Ich verstehe natürlich die ablehnende Haltung des Bundesrates. Würde er von sich aus offen Ja sagen, wäre der Gegenwind der Kantone vorprogrammiert; das würde seine Arbeit erschweren. Wir als Parlament, als Gesetzgeber, haben hier aber eine andere Position und andere Möglichkeiten. Wir können den Auftrag klar erteilen und den Ärger leichter abfangen, als das Bundesrat Berset je könnte.

Unterstützen Sie also bitte unseren Vorstoss. Ich bin mir sicher, der eine oder andere Bundesrat hofft insgeheim auf ein Ja.