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Zopfi Mathias · Ständerat · 2022-12-06

Zopfi Mathias · Ständerat · Glarus · Grüne Fraktion · 2022-12-06

Wortprotokoll

Sie haben es gehört: Ich bin teilweise befriedigt von der Antwort des Bundesrates. Befriedigt bin ich insoweit, als der Bundesrat grundsätzlich natürlich recht hat, wenn er sagt, dass die Kantone - hier Graubünden und Glarus - zuständig wären. Sie müssten Bedarf für eine Verbindung der Surselva und des Glarner Hinterlandes geltend machen. Natürlich stimmt es, dass dieser Bedarf heute noch nicht angemeldet und der Töditunnel im Sachplan Verkehr nicht enthalten ist.

Nicht befriedigt bin ich aber insofern, als der Bundesrat sich inhaltlich so stark zurückhält und die aufgeworfenen Fragen nur äusserst knapp beantwortet. Der Bundesrat führt aus, dass das "Ostalpenbahn-Versprechen" politisch aufgehoben wurde. Das stimmt zwar, geht aber an der vorliegenden Sache vorbei. Ich muss zum "Ostalpenbahn-Versprechen" keine grossen Ausführungen machen und nicht erwähnen, dass es historisch gesehen leider schon fast Tradition hat, die Anliegen und Wünsche der Ostschweizer Kantone für überregionale und nationale Anbindungen eher stiefmütterlich zu behandeln. Ich muss das nicht erwähnen, weil es hier nicht um die Ostalpenbahn geht. Es geht um eine Verbindung zwischen zwei Kantonen, zwei Wirtschaftsräumen und zwei leider benachteiligten Regionen. Ein Töditunnel ist nicht mit der Gotthardlinie zu vergleichen, eher mit dem Vereinatunnel. Wie der Bundesrat bin auch ich der Meinung, dass das Schweizer Schmalspurnetz von zentraler Bedeutung für die Erschliessung des Alpenraumes ist und dass ein zusätzlicher Zugang zu diesem Netz enorm positive Auswirkungen für die beteiligten Regionen haben könnte.

Ich war an der Feier des neuen Nationalratspräsidenten in meinem Nachbarkanton Graubünden und in meinem Nachbartal, der Surselva. Auch wenn ich deswegen leider nicht an der Feier unserer hochgeschätzten Ratspräsidentin teilnehmen konnte, wofür ich mich hiermit nochmals entschuldige, hat mich dieser an beiden Orten wunderbare Tag darin bestärkt, dass eine Verbindung zwischen Surselva und Glarner Hinterland keine Spinnerei ist. Wir konnten an diesem Tag das eindrückliche Schweizer Schmalspurnetz von Brig bis Chur in praktisch seiner ganzen Länge befahren. Es wurde wohl jedem, der im Glacier Express sass, bewusst, was für ein enormes Kapital dieses Netz ist und was ein Zugang dazu ist: nämlich Gold wert.

Ich konnte aber auch die Verbindung zwischen der Surselva, dem Glarner Hinterland und dem Sernftal wahrnehmen - eine Verbindung, die nicht ohne Geschichte ist. Früher war das südliche Glarnerland wirtschaftlich in einem erheblichen Mass über die Pässe nach Süden orientiert. Der rätoromanische Name von Elm, Dialma, zeugt noch davon. Auch heute bestehen noch viele Verbindungen. Bei allen Unterschieden: Die Surselva teilt viel Schönes und viel Geschichte mit dem Glarner Hinterland und dem Sernftal. Der Töditunnel würde weiter verbinden, was verbunden ist und verbunden war. Es [PAGE 1175] ist keine Spinnerei, sondern eine Vision: dass sich Perspektiven mit langem Horizont auch ändern können.

Ich nehme mit wenig Begeisterung zur Kenntnis, dass für den Bundesrat bei dieser Vision der Ball bei den Kantonen liegt - offenbar alleine bei den Kantonen. Nun gut, wir werden sehen, wie, bei wem und mit wem der Töditunnel wieder auflebt. Verdient hätte er eine genauere Betrachtung, und verdient hätten es die strukturschwachen Regionen, die damit einen enormen Impuls erhalten würden für die Möglichkeiten zur Nutzung wie beim Grimseltunnel, von einer multifunktionalen Nutzung ganz zu schweigen. Und verdient hätte es die Ostschweiz, dass die geplanten, gewünschten und denkbaren Infrastrukturausbauten - ich rede von Zimmerberg, Doppelspurausbau Tiefenwinkel usw. - vorwärtsgetrieben und damit ältere und neuere Versprechungen eingehalten würden. Ich schliesse damit, obwohl das ja eigentlich nicht Gegenstand meiner Interpellation war, nun doch ein bisschen im Kontext Ostalpenbahn.