Jositsch Daniel · Ständerat · 2022-12-06
Jositsch Daniel · Ständerat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-12-06
Wortprotokoll
Ich wollte mich eigentlich nicht äussern, aber ich bin Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung für das Tier im Recht.
Als ich dem Kommissionsberichterstatter zugehört habe, haben mich seine Äusserungen schon etwas wachgerüttelt. Ich widerspreche meinem geschätzten, hochgeachteten Standeskollegen aus Zürich natürlich nur ungern. Wenn Sie aber die Situationen von Menschen und Tieren betreffend Lichtverschmutzung miteinander vergleichen, dann, glaube ich, machen Sie einfach ein "Chrüsimüsi", können Sie doch die verschiedenen Interessen nicht einfach so miteinander vermischen.
Lichtverschmutzung ist in der Tat ein Problem. Sie ist erstens einmal ein Problem für Vögel, allen voran für Zugvögel. Diese orientieren sich am Licht und verlieren durch künstliches Licht, vor allem bei schlechten Sichtverhältnissen, unter Umständen die Orientierung. Es gibt eine Organisation namens Dark-Sky Switzerland, die sich mit dem Thema auseinandersetzt und die ich hier kurz zitieren möchte. Zur Situation der Zugvögel schreibt sie: "Auch auf Zugvögel wirkt sich Kunstlicht störend aus. Die Milliarden von Vögeln, die alljährlich nachts von Europa nach Afrika und wieder zurück ziehen, orientieren sich unter anderem anhand der Sterne. Dieses genetisch programmierte Zugverhalten hat sich im Laufe von Millionen von Jahren herausgebildet. Doch die Entwicklung der Glühbirne liegt gerade einmal 150 Jahre zurück. Die Vögel sind heute mit völlig neuen Lichtverhältnissen konfrontiert. Vor allem bei schlechter Sicht werden sie von punktuellen Lichtquellen und von den Lichtglocken über grossen Städten angezogen und von ihrem Weg abgelenkt." Dies führt dazu, so Dark-Sky Switzerland weiter, dass Zugvögel nachts auf beleuchtete Bürogebäude prallen oder diese[NB]sinnlos[NB]umkreisen[NB]und sterben. Betroffen sind über 450 Vogelarten.
Ausserdem hat das künstliche Licht Auswirkungen auf Insekten. Wie Sie wissen, werden Insekten vom Licht angezogen. Das hat zur Folge, dass gemäss Berechnungen alljährlich Milliarden von Insekten sterben. Jetzt können Sie sagen: Ist das ein Problem? Vielleicht nicht. Allerdings wirkt sich das auf die Nahrungskette und damit auch auf die Landwirtschaft aus.
Schliesslich gibt es auch Insekten im Wasser, wie z. B. den Wasserfloh, die aufgrund des Lichts die Orientierung verlieren. Jetzt können Sie sagen: Welche Bedeutung hat der Wasserfloh? Auch er hat in der Natur eine Bedeutung, insbesondere beim Abbau von Algen. Kunstlicht kann also dazu führen, dass eine übermässige, schädliche Algenproduktion stattfindet. Es gibt also verschiedene Auswirkungen - es gibt noch x weitere. Ich bin natürlich kein Spezialist und gebe das nur aufgrund der Gutachten und Berichte wieder, die dazu erstellt wurden.
Das Paradoxe an der ganzen Situation ist Folgendes: Das Stoppen der Lichtverschmutzung ist eine völlig einfache, problemlose und kostenlose Massnahme. Es gibt hier schlicht und ergreifend die Möglichkeit, zwischen 22 und 6 Uhr nur noch Lichtquellen zu nutzen, die für die Sicherheit notwendig sind. Alle anderen sind überflüssig. Es ist auch möglich, den Lichteinfall auf maximal 80 Grad ab Boden zu reduzieren, auch das hat bereits eine positive Wirkung. Der Witz ist, dass wir uns gerade jetzt gleichzeitig überlegen, wie möglichst viel Strom gespart werden kann. Hier haben wir die Möglichkeit, nicht nur Strom zu sparen, sondern auch schädliche Lichtverschmutzung zu vermeiden. Von daher entbehrt es aus meiner Sicht schlicht jeder Logik, die Motion Vara nicht zu unterstützen.
Daher bitte ich Sie, im Sinne der Minderheit zu stimmen.