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Flach Beat · Nationalrat · 2022-12-08

Flach Beat · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2022-12-08

Wortprotokoll

Vor zwei Jahren hat das Schweizervolk das Jagdgesetz, das breit als ein Wolfsabschussgesetz verstanden wurde, abgelehnt. Die grünliberale Fraktion arbeitete damals bei der Bearbeitung und Entstehung jenes Jagdgesetzes progressiv mit. Wir haben versucht, eine Vorlage zu schaffen, mit der die Wolfsbestände reguliert werden können, die aber nicht die Wölfe ausrotten will. Das Parlament hat damals vollkommen überbordet und etwas geschaffen, das keine Mehrheit gefunden hat.

Mittlerweile haben die Wolfsbestände auch deshalb, weil es uns damals nicht gelungen ist, ein gutes Gesetz zu verabschieden, zugenommen. Das ist grundsätzlich sehr erfreulich. Wir haben heute etwas über 200 Wölfe in 23 Rudeln, vor allen Dingen in den Berggebieten. Das ist eine schöne Entwicklung. Ich finde, es ist wirklich traurig, wenn man einfach davon ausgeht, dass Wölfe irgendwie Schädlinge, übel für das Land, für die Welt, für die Menschen und für die Tiere seien und ausgerottet oder zurückgedrängt werden sollten. Die Wölfe sind eine Bereicherung der Biodiversität unseres Landes. Sie haben eine wichtige Aufgabe, auch innerhalb der Regulierung des Bestandes anderer Wildtiere. Sie sind, weil sie das Hochwild dezimieren, auch dafür wichtig, dass der Wald nachwächst. Der Wolf ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Welt.

Es ist auch nicht so, dass es in Europa viele Angriffe von Wölfen gibt. Es sind quasi keine Angriffe von Wölfen auf Menschen zu verzeichnen, selbst in Gebieten, in denen Wolf und Mensch ausserordentlich nah beieinander leben und wo keinerlei Möglichkeiten bestehen, um entsprechende Schutzmassnahmen, beispielsweise Herdenschutz und Ähnliches, durch den Staat sicherzustellen.

Für uns Grünliberale ist aber klar, dass jetzt ein Gesetz vorliegt, das noch verbesserungswürdig ist. Für uns ist wesentlich, dass erstens einmal die Wolfsbestände in der Schweiz weiter zu stärken sind. Zweitens ist wichtig, dass der Bund die Hoheit darüber hat, wie die Regulierung geschieht, und nicht regional die Kantone innerhalb ihrer Grenzen entscheiden. Vielmehr sollen es Entscheide zum Bestand von Wölfen sein, die in den funktionalen Räumen getroffen werden, in denen sich die Wölfe bewegen. Wölfe halten sich nicht an Kantonsgrenzen; sie kennen diese auch nicht. Drittens ist für uns Grünliberale auch wichtig, dass Problemwölfe geschossen werden können, wenn sie jegliche Scheu vor den Menschen verlieren, dass allenfalls auch Rudel wieder auf Abstand gebracht werden, wenn sie die Scheu verlieren und zu nahe an die Menschen kommen, und dass man entsprechend regulieren kann, wenn sie zu viele grosse Schäden verursachen oder grosse Schäden verursacht werden könnten.

Aber der Wolf gehört nicht einfach zu den jagdbaren Tieren wie der Steinbock. Der Wolf, und das sagt auch der Titel dieser parlamentarischen Initiative, soll in seinem Bestand kontrolliert werden. Es geht also nicht um die Steinböcke, es geht nicht um die Biber, und es geht auch nicht um die Luchse. Was ein bisschen verklausuliert herauskommt, wenn Sie dieses Gesetz, das ehrlich gesagt ein bisschen vermurkst ist, genau lesen, ist Folgendes: Sie stellen fest, dass hier Tür und Tor geöffnet wird, um halt den Biber irgendwie einmal aufzunehmen oder auch den Luchs; der aber stellt überhaupt keine Gefahr für den Menschen dar.

Deshalb sind wir der Meinung, dass wir das Konzept des Ständerates in wesentlichen Punkten nachbessern müssen. Ein ganz wichtiger Punkt, den wir aufgenommen haben, ist, dass wir die Wildtierkorridore stärken. Ein anderer Punkt[NB]betrifft[NB]die Frage - darüber werden wir dann diskutieren müssen -, wie wir die Kaskade machen, ab wann wir in die Population der Wölfe eingreifen. Wir wollen, dass diese Population insgesamt wächst, aber natürlich an den Orten, wo es eben auch Sinn macht, wo die Wölfe entsprechend viel Wild zur Verfügung haben, wo sie dafür sorgen können, dass die Wildpopulation sich in Grenzen hält. Damit tun wir uns allen, auch dem Wald, genauso wie der Biodiversität des Landes, einen Gefallen.

Wenn wir das Konzept des Ständerates nachbessern können, dann ist das gut. Noch besser ist es, wenn wir dem Konzept Jauslin folgen. Er beantragt mit seinem Konzept, dass wir eine ganz auf den Wolf abgestimmte Bestimmung verfassen, die auch vorsieht, dass präventive Abschüsse möglich sind, aber immer vor dem Hintergrund, dass wir die Population des Wolfes stärken wollen. Er ist ein wichtiges Glied unserer Biodiversität.