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Carobbio Guscetti Marina · Ständerat · 2022-12-14

Carobbio Guscetti Marina · Ständerat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-12-14

Wortprotokoll

Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur Ihres Rates hat an ihrer Sitzung vom 17. Oktober 2022 die Motion "Geschlechterperspektive bei der Digitalisierung berücksichtigen" vorberaten. Mit der Motion wird der Bundesrat beauftragt, die Geschlechterperspektive in seine nächste Digitalisierungsstrategie zu integrieren. Der Nationalrat hat die Motion am 12. September dieses Jahres mit 98 zu 75 Stimmen bei 1 Enthaltung angenommen. Ihre Kommission beantragt mit 9 zu 3 Stimmen, die Motion anzunehmen. Mit der Einreichung der Motion hat die Kommission der Petition 21.2038 der Frauensession 2021, "Geschlechterperspektive in Strategie 'Digitale Schweiz' integrieren", Folge gegeben.

Was will diese Motion? Sie will die Integration der Geschlechterperspektive in die Digitalisierung. Sie will in der Programmierung sexistische Stereotype verhindern. Und sie will die Frauen in den Mint-Berufen fördern.

Der Bund räumt dem digitalen Wandel in der Legislaturplanung 2019-2023 eine zentrale Rolle ein. Im Jahr 2018 hat der Bundesrat die Strategie Digitale Schweiz und einen dazugehörenden Aktionsplan verabschiedet. Die Strategie wird alle zwei Jahre im Dialog mit relevanten Akteurinnen und Akteuren aktualisiert. Die letzte Aktualisierung erfolgte im Jahr 2020. Darin sind fünf Kernziele und neun Aktionsfelder definiert.

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft schreitet rasch voran. Sie ist beispiellos und kein Branchenphänomen mehr. [PAGE 1326] Fast alle Berufe, wir wissen es, sind vom Digitalisierungsprozess betroffen. Der Frauenanteil in Mint-Berufen beträgt heute jedoch bloss 15 Prozent, womit Frauen massiv untervertreten sind. Das führt dazu, dass digitale Produkte hauptsächlich von Männern und für Männer entworfen werden, obwohl vorgegeben wird, sie würden neutral ausgestaltet. Spracherkennungssoftware wird mit Daten gefüttert, in denen Frauen übergangen werden, oder es werden Datensätze verwendet, in denen Frauen vergessen werden. Dieses Ungleichgewicht soll korrigiert werden. Frauen müssen den digitalen Wandel mitgestalten. Fehlen sie bei der Entwicklung von Software, führt dies zu Diskriminierungen. Zur Verhinderung von Diskriminierungen können auch Algorithmen genutzt werden, die dazu beitragen, dass bei spezifischen Prozessen gewisse Stereotype verhindert und nicht verstärkt werden.

Digitalisierung ist ein gesellschaftspolitisches Anliegen und kein rein technisches. Diversität spielt für die Entwicklung der Technologie eine wichtige Rolle und ist unverzichtbar. Es soll deshalb ein Anforderungsprofil geschaffen werden, das Frauen für technische Berufe gewinnt. Laut Expertinnen und Experten des Internationalen Währungsfonds und des World Economic Forum werden Frauen ohne sofortige Massnahmen stärker als Männer vom Stellenabbau betroffen sein, der aufgrund der Digitalisierung der Wirtschaft weltweit zu erwarten ist.

Die Geschlechterperspektive muss deshalb in der Digitalisierungsstrategie umfassend berücksichtigt werden, was grundsätzlich als Chance und Perspektive für die Arbeitnehmenden zu verstehen ist. Deshalb hat Ihre Kommission entschieden, die Motion des Nationalrates zu unterstützen. Es gilt, die digitale Entwicklung zu verstehen, kritische Fragen zu stellen, Diskriminierung zu erkennen und digitale Ethik mit einzubeziehen. Dabei soll ein weiteres Legislaturziel im Blick behalten werden: die Gleichstellung von Frau und Mann. Erstmals in der Schweizer Geschichte wird eine nationale Gleichstellungsstrategie verabschiedet und ein Zeitraum für die Umsetzung definiert. Die Geschlechterperspektive bei der Digitalisierung und die Gleichheit von Frau und Mann werden jedoch weitgehend unabhängig voneinander betrachtet. Dabei ist es unverzichtbar, dass Digitalisierung und Gleichstellung zusammen angegangen werden. Die Teilhabe von Frauen am digitalen Wandel muss Teil der Strategie sein.

Wie gesagt, die Kommission hat die Motion angenommen und empfiehlt dem Rat die Zustimmung. Die Kommission hat auch die Petition der Frauensession, die Petition 21.2038, "Geschlechterperspektive in Strategie 'Digitale Schweiz' integrieren", berücksichtigt. Ich bitte Sie, der Kommission zu folgen.