Friedl Claudia · Nationalrat · 2022-12-14
Friedl Claudia · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-12-14
Wortprotokoll
Herr Bregy hat es gerade gesagt: Immer dann, wenn wir von der AHV oder der Altersrente sprechen, will man verschieben, verschieben, verschieben. Man will einfach nicht handeln - nicht heute, nicht später. Heute geht es um die Altersarmut, das letzte Mal ging es um die Frauenrenten. Ich möchte Ihnen[NB]heute[NB]eine[NB]Geschichte[NB]erzählen,[NB]die[NB]mir ein Bekannter über seine Familie - seine Grosseltern, Onkel und Tanten - erzählt hat:
Paul und Rosi sind ein älteres Ehepaar. Sie sind Thurgauer Bauern. Sie haben ein Leben lang auf den Feldern und im Stall hart gearbeitet. Paul wuchs schon auf dem Hof auf, Rosi lebt seit 66 Jahren mit ihm auf dem Bauernhof. Es ist ein klassischer Hof, wie er in der Schweiz oft vorkommt: einige Kühe, eine Obstplantage, Getreide und natürlich, im Thurgau, auch Zuckerrüben. Paul und Rosi haben aber auch sechs Kinder grossgezogen. Der Familie hat es immer gerade so zum Leben gereicht. Sie waren stets sparsam. Da stehen seit vierzig Jahren die gleiche Polstergruppe und seit zwanzig Jahren der gleiche Fernseher im Wohnzimmer. Ferien gab es höchstens irgendwo in der Schweiz einmal. Paul und Rosi haben ein hartes, aber zufriedenes Leben geführt. Sie haben immer jeden Franken umgedreht, aber es hat gereicht - bis vor wenigen Jahren.
Wie über 90 Prozent der Bäuerinnen und Bauern in unserem Land hatten Paul und Rosi nie die Chance, Geld in die Pensionskasse einzubezahlen. Sie leben einzig und allein von ihrer spärlichen AHV-Rente, wie übrigens ein Drittel der Frauen ebenfalls. Diese Rente reicht heute einfach nicht mehr aus! Das Leben wurde teurer, die Krankenkassenprämien sind Jahr für Jahr gestiegen. Wenn dann noch die Gebrechen des Alters dazukommen und die Arztrechnungen, die Zahnarztrechnungen, auf denen die Selbstbehalte steigen, dann reicht es einfach nicht mehr. Paul und Rosi würden sich niemals beschweren. Aber ihre sechs Kinder haben bemerkt, dass es ihren Eltern einfach nicht mehr reicht und sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Sie haben angefangen, alle zusammen, einen monatlichen Zustupf an ihre Eltern zu bezahlen.
Das darf doch nicht sein! Es kann doch nicht sein, dass Menschen, die so viel für unsere Gesellschaft geleistet haben, im Alter in Armut leben. Paul und Rosi sind kein Einzelfall. Es sind Zehntausende Menschen in der Schweiz, die in Altersarmut leben. Fast jede zehnte Person muss direkt nach der Pensionierung Ergänzungsleistungen beziehen. Viele verzichten auch darauf, mangels Wissens oder[NB]aber[NB]auch[NB]aus[NB]Scham,[NB]sich[NB]nicht selbst versorgen zu können.
In der Präambel der Bundesverfassung steht bekanntlich, dass sich die Stärke des Volkes am Wohl des Schwachen misst. Diese Verantwortung müssen wir wahrnehmen und den Rentnerinnen und Rentnern ein Leben in Würde ermöglichen. Die 13. AHV-Rente ist ein probates Mittel dafür, denn die AHV ist das effizienteste Rentensystem, das es gibt. Nirgends ist ein Franken so sozial eingesetzt wie hier, weil Menschen mit hohen Einkommen mehr einzahlen, als sie bekommen werden. Bei den steigenden Krankenkassenprämien, Energiekosten und Mieten ist die 13. AHV-Rente ein Beitrag [PAGE 2357] an alle Rentnerinnen und Rentner, damit jede Generation im Alter in Würde leben kann.
Ich bitte Sie, empfehlen Sie diese Initiative zur Annahme.