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Gredig Corina · Nationalrat · 2023-03-01

Gredig Corina · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2023-03-01

Wortprotokoll

Würden Sie arbeiten gehen, wenn Sie dabei nichts verdienen? Würden Sie Ihren Job machen, wenn Sie dafür noch draufzahlen müssten? Das sind keine hypothetischen Fragen. Für viele Schweizer Mittelstandsfamilien sind diese Fragen Realität.

Die Schweiz investiert Milliarden von Franken in die Ausbildung der Menschen und in ein duales Bildungssystem, auf das wir zu Recht stolz sind. Die allermeisten Arbeitskräfte in unserem Land sind sehr gut ausgebildet. Aber wenn sie eine Familie gründen, fehlt in vielen Fällen ein Element: Es fehlt eine Infrastruktur, um Familie und Beruf zu verbinden und weiterhin den Job, für den man lange ausgebildet wurde, zu machen.

Was bedeutet das in der Praxis? Im Durchschnitt kostet ein Kind pro Tag in der Kita 130 Franken. Bei zwei Kindern, die drei Tage pro Woche in die Kita gehen, macht das bereits [PAGE 95] 40[NB]000 Franken pro Jahr. Das ist eine stolze Summe für eine Mittelstandsfamilie. Bei derart hohen Kosten für die Kinderbetreuung wird der Zweitverdienst oftmals gleich wieder weggefressen. Dieses System ist in Zeiten des Fachkräftemangels besonders grotesk. Hier verschärft sich die Situation stetig: Wir haben 20[NB]000 Arbeitskräfte mehr, die in Rente gehen, als Junge, die in den Arbeitsmarkt nachstossen. Bis in ein paar Jahren werden der Schweiz aufgrund der Pensionierung der Babyboomer-Jahrgänge mehrere hunderttausend Fachkräfte fehlen. Schon heute wird der Fachkräftemangel als das drängendste Problem der Wirtschaft bezeichnet. Das zeigt sich auch an den positiven Verlautbarungen in der Vernehmlassung vonseiten der Wirtschaft.

Es gibt grob gesagt zwei Optionen, woher wir diese Fachkräfte holen: Entweder setzen wir auf das inländische Arbeitskräftepotenzial, oder wir setzen auf Arbeitskräfte aus dem Ausland. Letzteres passt dann auch nicht mehr allen in diesem Saal. Um die Väter und Mütter im Arbeitsmarkt zu halten, braucht es bessere Rahmenbedingungen. Es braucht eben eine Infrastruktur, die Familie und Arbeit miteinander verbindet. Diese Infrastruktur, um erwerbstätig sein zu können, muss die Gesellschaft zur Verfügung stellen. Wir sagen ja auch nicht: Bau dir die Strasse zu deinem Arbeitsplatz selber, wenn du arbeiten gehen möchtest.

Es ist von volkswirtschaftlichem Interesse, dass Menschen, die erwerbstätig sein wollen, dies auch tun können. Die Förderung der familienergänzenden Kinderbetreuung wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken und die Erwerbstätigkeitsquote in der Schweiz erhöhen. Diese Vorlage ist eine Vorlage für die Generation, die Beruf und Familie verbinden möchte.

Ich bitte Sie, hier und jetzt den erwerbstätigen Eltern in diesem Land zu sagen: Ja, wir schätzen euer Wirken sehr, und wir bauen die Infrastruktur, die es braucht, um Familie und Job unter einen Hut zu bringen.