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Germann Hannes · Ständerat · 2023-03-06

Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2023-03-06

Wortprotokoll

Ich dachte eigentlich, dieser Fall sei klar, nachdem wir uns in der Kommission über längere Zeit intensiv mit der Problematik befasst haben. Es ist vom Kommissionssprecher und vom Kommissionspräsidenten ausgeführt worden, dass wir uns da auf einen Weg geeinigt haben und diesen Auftrag nun weitergeben. Es heisst ja nichts anderes, als dass wir verlangen, dass der Bundesrat die Berufsbildung eben auf diese Weise aufwertet, nämlich indem die Titelbezeichnungen angepasst werden, sodass man von einer Titel- und auch von einer Niveauäquivalenz mit anderen Titelbezeichnungen im In- und Ausland sprechen kann.

Ich sage das jetzt als Vertreter eines Grenzkantons: Gerade im Gesundheitswesen haben wir - glücklicherweise, muss ich sagen - eine wahre Invasion über die Grenze. Wir sind für diese Leute dankbar, es sind auch gut ausgebildete Leute. Aber es ist dann schon etwas befremdlich, wenn sie sich künftig mit dem Professional Bachelor oder sogar Professional Master anstellen lassen können, währenddem eben die Schweizer Kollegin mit einem Titel zusammengesetzt aus vier Substantiven brillieren darf, wie es Kollege Stark gesagt hat. Wie haben Sie gesagt, Kollege Stark? Ich lese es dann nach. Ich kann mir den Titel nicht einmal merken, so kompliziert hat er getönt.

Nein, Spass beiseite, es ist eine ernste Sache. Wir verlangen auch Internationalisierung. Dann, meine ich jetzt, wäre es ein kleiner Schritt, diese Leute eben entsprechend zu bezeichnen. Gerade in den Pflegeberufen haben wir viele gut ausgebildete Leute, die dann völlig unter ihrem Wert veranschlagt werden. Im Ausland haben sie mit diesen Berufsbezeichnungen keine Chance; da fragt man sie: Was soll das? Ich meine, wir sollten unseren Jungen auch die Chance geben, eben allenfalls den anderen Weg gehen und im Ausland Erfahrungen sammeln zu können. Da haben wir jedoch von früher her die übelsten Beispiele. Wir mussten miterleben, dass im Ausland kaum jemand wusste, was gerade zum Beispiel der Titel "Ingenieur HTL", "Architekt HTL" wert ist. Diese ganzen Berufe waren hochangesehen, es waren wertvolle Leute mit einem enormen Wissen aus der Praxis, das aber auch mit akademischem Wissen verknüpft war. Wenn sie im Ausland tätig wurden, mussten sie das entsprechend auch immer erklären.

So meine ich eben, dass wir gut beraten sind, wenn wir dem Bundesrat jetzt diesen Auftrag geben, anstatt das wieder aufzudröseln, ein Postulat zu machen und weitere Vorstösse abzuwarten, die es mit Sicherheit geben wird. So kann der Bundesrat etwas Sinnvolles ausarbeiten, mit dem Entwurf ins Parlament kommen, und dann können wir immer noch diskutieren, Frau Gmür-Schönenberger, ob wir diese Titel genau so verwenden werden oder ob sie nicht zu nahe an den anderen Titeln sind.

Ich muss Ihnen sagen: Ich habe grosse Achtung vor einem FH-Titel, aber auch vor einem HF-Titel. Erstens sind die Ausbildungen von der Länge her vergleichbar. Sie sind inhaltlich etwas anders, das ist zu Recht gesagt worden. Aber das hier künstlich so aufzubauschen, was das für ein Riesenunterschied sei, das erinnert mich eher an akademischen Dünkel in früheren Jahren gegenüber den Ingenieuren, die von der praktischen Seite her kamen. Gerade darum bin ich etwas enttäuscht, dass jetzt ausgerechnet bei den Fachhochschulen, bei wertvollen Institutionen, die ich sehr, sehr schätze, der Abgrenzungswille gegenüber den HF-Ausbildungen so gross ist.

Schauen wir doch an, was die Jungen können, geben wir ihnen eine Perspektive. Sagen wir ihnen: "Eure Ausbildung ist etwas wert, und es ist uns ernst", dann bezeichnen wir ihre Ausbildung auch so, wie sie es verdienen. Sonst lassen wir am 1. August besser die Sonntagsreden über den Wert unserer dualen Berufsbildung. Eine solche Rede hat ja sicher jeder und jede schon einmal gehalten, ich inklusive. Heute können wir Taten folgen lassen, indem wir dem Bundesrat diesen Auftrag geben.