Glättli Balthasar · Nationalrat · 2023-03-09
Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2023-03-09
Wortprotokoll
Ich beantrage Ihnen, die Produktionssystembeiträge zu erweitern, indem auch Beiträge für besonders klimafreundliche Betriebe in dieses System integriert werden. Wenn wir von Landwirtschaft und Klimakrise sprechen, dann sprechen wir allzu oft nur von den Problemen. Wir sprechen einerseits davon, dass vor allem heisse, trockene Sommer und andere Extremereignisse für die Landwirtschaft, für die Ernährungswirtschaft eine grosse Herausforderung darstellen. Wir sprechen andererseits aber zu Recht auch davon, dass die Landwirtschaft selbst mitverantwortlich ist und gemäss Treibhausgasinventar 14,6 Prozent zu den Treibhausgasemissionen der Schweiz beiträgt. Diese Emissionen müssen reduziert werden, auch wenn sie in der Landwirtschaft naturgemäss nie auf null gehen können.
Sie haben es jetzt abgelehnt, Absenkpfade zu definieren. Ich finde, wir sollten trotzdem darüber sprechen, dass die Landwirtschaft nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung sein kann. Die Landwirtschaft kann nämlich auch zur Bewältigung der Klimakrise beitragen, und zwar nicht nur, indem sie zum Beispiel betrieblich optimiert oder auch im Bereich der Landmaschinen in Richtung Elektrifizierung geht. Sie kann auch ganz konkret mehr als Emissionsreduktion machen. Sie kann nämlich zu natürlichen, bleibenden CO2-Senken beitragen. Agro- und forstwirtschaftliche Massnahmen, vor allem aber auch die Art und Weise der Bodenbewirtschaftung können dazu beitragen, dass die Landwirtschaft bleibend CO2 bindet. Solche natürlichen Senken, Sie wissen es, brauchen wir, um zu kompensieren. Denn wir sind beim Ausstieg aus den fossilen Energien in anderen Bereichen nicht schnell genug und haben aus der Vergangenheit noch zu viele Emissionen in der Luft, die dort bleiben.
Sie sehen, die Landwirtschaft kann - und das ist, finde ich, eigentlich die gute Botschaft - auch Teil der Lösung sein. Genau dort, wo heute auch zusätzlich geforscht wird, wo an einer Lösung gearbeitet wird, dort wollen wir, dass jene Betriebe, die freiwillig vorangehen, die eine Vorreiterrolle einnehmen, die eben Teil der Lösung sein wollen, dass die dafür auch etwas erhalten.
Sie werden natürlich nun fragen: Wie soll man das dann ganz konkret umsetzen? Ich denke, es wäre auf der falschen Ebene angesetzt, wenn wir jetzt auf Gesetzesstufe einzelne Detailmassnahmen bestimmen würden. Das machen wir auch bei den anderen Produktionssystembeiträgen nicht, sondern wir schlagen hier einmal einen Grundsatz für eine Entschädigung für besonders klimafreundliche Betriebe vor. Wir denken, in der Umsetzung wäre es am klügsten, wenn in Zusammenarbeit mit der Branche eruiert würde, wie man einen einfachen Standard definieren könnte, um zu bestimmen, welche Betriebe besonders klimafreundlich sind und wie sie sich dafür dann möglichst einfach auch für solche Produktionssystembeiträge qualifizieren können.
Ich rufe Sie auf: Wir müssen aufhören, immer nur den schwarzen Peter hin- und herzuschieben zwischen den verschiedenen Bereichen, die zum Klimaproblem beitragen. Wir müssen vorwärtsgehen und diejenigen, die auch Träger der Lösung sind, dabei unterstützen. Helfen Sie uns, unterstützen Sie die Minderheit!