Leuenberger Moritz · Bundesrat · 2003-03-17
Leuenberger Moritz · Bundesrat · Zürich · 2003-03-17
Wortprotokoll
Ich dachte, der Luchs würde auf den schriftlichen Weg verwiesen.
[PAGE 330] Die Fragesteller bezweifeln, dass die Schweiz dem Luchs den nötigen Lebensraum anbieten kann, und genau das möchten wir ja herausfinden, denn es ist klar, dass der Luchs in der Schweiz nie die freie Wildbahn finden kann, von der in beiden Fragen die Rede ist. Völlig freie Bahn findet das Wild in der Schweiz nur noch in sehr grossen Höhen, und dort kann der Luchs nicht leben.
Was wir dem Luchs als Lebensraum anbieten können, ist eine vom Menschen geformte Kulturlandschaft. Um in einem solchen Raum eine stabile und genetisch vielfältige Luchspopulation aufbauen zu können, sind menschliche Eingriffe unverzichtbar. Zu diesen Eingriffen gehört auch das Projekt Luno, auf das sich die Fragen konkret beziehen. Es sieht vor, zwischen 2001 und 2003 acht bis zwölf Luchse in der Nordostschweiz anzusiedeln. Dieses Projekt wird vom Buwal gemeinsam mit den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Thurgau und Zürich getragen. Im Kanton St. Gallen basiert der Entscheid zur Teilnahme auf einem Beschluss des Grossen Rates. Die Kosten des auf drei Jahre angelegten Projektes belaufen sich insgesamt auf 1,5 Millionen Franken.
Die Fragesteller bezweifeln die Verhältnismässigkeit dieses Aufwandes. Dazu möchte ich Folgendes zu bedenken geben: Wir bekennen uns in unserer Verfassung ausdrücklich zur Verantwortung gegenüber künftigen Generationen und der Schöpfung, und Bundesrat und Parlament haben diese Verantwortung stets so verstanden, dass sie sich auch für die Erhaltung der Artenvielfalt einsetzen wollen. Und der Luchs gehört zu den gefährdeten Arten. Als zentral gelegener Alpenstaat kann die Schweiz einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich die isolierten Luchspopulationen in Ost- und Mitteleuropa wieder verbinden können.
Es ist beim Artenschutz etwa wie bei der Kulturförderung: Einzelne Leistungen, herausgegriffen und in Franken und Rappen aufgerechnet, können mitunter einen lächerlichen Eindruck machen. Ich gebe das zu. Hier hilft nur eine politische Bewertung, die die ideellen Werte der Artenvielfalt gewichtet.
Beim Wolf ist es anders. Seit einigen Jahren wandern vereinzelt Wölfe aus Italien und Frankreich in die Schweiz ein. Wir haben sie nicht geholt; sie kamen von selber. Hier sind in der Tat Massnahmen zu ergreifen, denn der Interessenkonflikt ist manifest: In fünf Jahren, von 1998 bis 2002, wurden in der Schweiz rund 620 Nutztiere von Wölfen gerissen, was Bund und Kantone eine Entschädigungssumme von insgesamt 275 000 Franken kostete.