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Munz Martina · Nationalrat · 2023-05-02

Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-05-02

Wortprotokoll

Es braucht mehr Transparenz auf dem Schweizer Agrarmarkt, denn die heutige Intransparenz führt zu überteuerten Bio- und anderen Label-Produkten. Konsumentinnen und Konsumenten zahlen empfindlich hohe Aufpreise. Landwirtinnen und Landwirte können davon aber nicht profitieren, ihr Mehraufwand wird nicht oder zu wenig entschädigt. Der Detailhandel schöpft die hohe Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Produkte ab und gönnt sich eine höhere Marge. Dies führt dazu, dass Label-Produkte zu teuer sind und sich der Aufwand für die Landwirtschaft nicht lohnt.

Der Absatz von nachhaltigen Lebensmitteln stagniert, insbesondere beim Fleisch aus Tierwohlhaltung. Fälschlicherweise wird dafür oft den Konsumentinnen und Konsumenten die Schuld in die Schuhe geschoben. Doch die Marktmacht der Detailhändler und die Intransparenz der Märkte führen zu Marktverzerrungen und damit zu einer Stagnation der Label-Produktion.

Die verschiedenen Studien bestätigen, dass die Intransparenz der Schweizer Agrarmärkte zu Preisverzerrungen und Fehlanreizen führt. Anfang Jahr hat nun auch der Preisüberwacher, Stefan Meierhans, einen Bericht zu den Margen veröffentlicht. Er bestätigt darin, dass die Bioprodukte in der Schweiz massiv teurer als konventionelle Produkte sind. Die Margen seien in vielen Bereichen sehr hoch und verglichen mit anderen Ländern nicht wirklich konkurrenzfähig. Im Interview mit SRF vom 27. Januar dieses Jahres bestätigt Meierhans, dass die beiden Detailhändler Coop und Migros zusammen mit Denner einen Marktanteil von fast 80 Prozent hätten. Dadurch gäbe es allenfalls eine kollektive Marktmacht, auf der sich die Detailhändler auf Kosten der Konsumentinnen und Konsumenten ausruhen könnten.

Der Vorschlag von Stefan Meierhans, auf freiwillige Selbstverpflichtung bei den Margen zu setzen, wurde von den marktdominierenden Detailhändlern schlicht abgelehnt. Meierhans forderte deshalb, das Thema auf die politische Agenda zu nehmen. Mit der Annahme dieser Motion setzen Sie das Thema auf die politische Agenda. Damit sorgen Sie dafür, dass die Landwirtschaft für ihre Mehraufwendungen fair entschädigt wird und Label-Produkte wie Bio Suisse und IP-Suisse im Detailhandel nicht überteuert verkauft werden.

Im Bericht über die zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik vom 22. Juni 2022 schreibt auch der Bundesrat, dass die beschränkte Markttransparenz ein nachhaltiges gesundheits- und tierwohlförderndes Einkaufsverhalten behindere. Entsprechend fordert er selbst, dass den Konsumentinnen und Konsumenten entsprechende Informationen zugänglich gemacht werden. Mit dieser Motion wird der Bundesrat nun damit beauftragt, die von ihm gesteckten Transparenzziele auch umzusetzen. Die Marktanalysen des Bundesamtes für Landwirtschaft, aufgeschlüsselt nach konventionell und bio, genügen nicht mehr. Marktdaten und Märkte müssen richtig abgebildet werden, damit der Transparenzauftrag über die Marktbeobachtung richtig wahrgenommen werden kann. Längst hat sich der IP-Suisse-Standard aus der Nische zu einem Breitenlabel entwickelt und muss mitberücksichtigt werden.

Ich bitte Sie, die Motion anzunehmen, damit der Markt für nachhaltige Produkte nicht stagniert und die Landwirtschaft für ihre Label-Produkte fair entschädigt wird. [PAGE 765]