Moser Tiana Angelina · Nationalrat · 2023-05-03
Moser Tiana Angelina · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2023-05-03
Wortprotokoll
Mit meinem Postulat fordere ich die Prüfung eines Aktionsplans zur Belastungsreduktion von Mensch und Umwelt durch langlebige Chemikalien wie per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS). PFAS werden auch als "forever chemicals" bezeichnet, dies deshalb, weil die Kohlenstoff-Fluor-Bindung dieser Chemikalien eine der stärksten Verbindungen in der organischen Chemie ist. Das macht die PFAS persistent und schwer abbaubar. Deshalb nennt man sie "forever chemicals". Sind sie einmal da, sind sie kaum mehr wegzukriegen.
Die Verwendung von PFAS ist in Haushalt und Industrie stark verbreitet, beispielsweise in der Papier-, Leder- und Textilindustrie, in Kältemitteln oder auch im Feuerlöschschaum. Outdoor-Kleidung und Kosmetika sind andere Beispiele. Hergestellt und verwendet werden die PFAS seit den 1950er-Jahren. Die Chemikalien gelangen bei der Herstellung, Verwendung und Entsorgung in die Umwelt, über Luft, Wasser und Boden. Messungen sowohl in der Schweiz wie auch in anderen Ländern zeigen, dass die "forever chemicals" nicht nur bei den Hotspots auftauchen, also nicht nur dort, wo sie hergestellt werden - bei den Fabriken -, oder dort, wo sie zum Einsatz kommen, zum Beispiel im Feuerlöschschaum. Sondern sie sind wegen ihres breiten Einsatzbereichs fast überall anzutreffen: in Seen, im Boden, in Pflanzen und in Tieren. Messungen des BAFU und der nationalen Bodenbeobachtungsstelle haben gezeigt, dass die Belastung der Schweizer Böden höher ist als diejenige von Böden in vergleichbaren Ländern, etwa Schweden. Die Gründe dafür sind bisher nicht bekannt. In der Folge sind natürlich auch wir Menschen belastet. Aufgenommen werden die PFAS über Lebensmittel wie das Trinkwasser. Sie sammeln sich im Körper, im Blut und in gut durchbluteten Organen an, wie beispielsweise dem Hirn und der Plazenta.
Warum ist das ein Problem? Die Belastung mit PFAS birgt gesundheitliche Risiken. Bereits kleine Mengen führen zu gesundheitlichen Problemen, dazu zählen etwa Schilddrüsenerkrankungen, Fettleibigkeit, Leberschäden, Nierenprobleme oder auch das Krebsrisiko. Bei Kindern führt die Belastung zudem zu einer Störung des Immunsystems. Auch das sind nur Beispiele.
Aufgrund der Giftigkeit ist die Notwendigkeit der Belastungsreduktion von langlebigen Substanzen in Natur und Umwelt mittlerweile international breit anerkannt. Die europäischen Behörden haben damit begonnen, die umfassende Regulierung aller PFAS zu prüfen. Ziel ist es, die Freisetzung von PFAS in die Umwelt drastisch zu reduzieren. Die Arbeiten sind auf europäischer Ebene am Laufen, Ähnliches ist auch in den USA der Fall.
Mit meinem Postulat fordere ich den Bundesrat auf, die Thematik grundsätzlich anzugehen. In Anlehnung an den Aktionsplan Pflanzenschutzmittel soll ein Aktionsplan Langlebige Chemikalien die Beschreibung der Risiken für Mensch und Umwelt sowie Reduktionsziele und Massnahmen enthalten. Zu prüfende Massnahmen wären insbesondere die Einschränkung des Einsatzes von langlebigen Chemikalien, die Säuberung und Sanierung von sogenannten Hotspots wie Seesedimenten, Altlasten und Deponien, die Festlegung von Grenz- und Sanierungswerten in Lebensmitteln, Trinkwasser und Umweltkompartimenten sowie die Verbesserung der Information der Öffentlichkeit über Risiken.
Der Bundesrat hat sich bereit erklärt, diese wichtige Thematik anzugehen und das Postulat entgegenzunehmen. Ich danke ihm bestens dafür. Ich würde mich selbstverständlich freuen, wenn auch Sie dem Postulat zustimmen würden.