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Brunner Thomas · Nationalrat · 2023-05-03

Brunner Thomas · Nationalrat · St. Gallen · Grünliberale Fraktion · 2023-05-03

Wortprotokoll

Die noch laufende Krisenlegislatur begann mit einem Pandemie-Alarm. Real aber sind die nichtübertragbaren Krankheiten gesundheitlich ein sehr viel bedeutenderes Problem. Wir sprechen da von Herz-Kreislauf-Problemen, von Krebs, von Stoffwechselstörungen wie Diabetes. Der Trend ist: Ihr Umfang nimmt zu, nicht nur in der Schweiz. Diese Krankheiten betreffen immer mehr auch jüngere Menschen, und es ist klar: Es besteht ein Zusammenhang unter anderem mit der Ernährung.

Die Wissenschaft sagt uns, dass es nicht nur darum geht, was wir essen - ich verweise hier auf die Ernährungspyramide -, sondern auch darum, was für Fremdstoffe wir damit aufnehmen. Zum Beispiel können das Weichmacher aus Verpackungsrückständen sein, es können Pestizidrückstände aus der Nahrungsmittelproduktion sein, aber auch Nahrungszusatzstoffe, die zum Beispiel der Konservierung oder, wie Süssstoffe, der geschmacklichen Optimierung dienen. Es handelt sich jeweils um sehr geringe Dosen. Sie können weit unter den Grenzwerten liegen, und dennoch gibt es eben Kombinationseffekte. Wir haben Phänomene der gegenseitigen Verstärkung, wir haben Hemmungen, wir haben Fehlfunktionen - Krebs zum Beispiel ist nichts anderes. In der Biologie ist es halt nun mal so, dass eins und eins nicht unbedingt zwei ergibt, sondern irgendetwas ergeben kann. Es ist logisch, dass die Wirkung von Schadstoff-Cocktails, und wir sprechen da zum Teil von Dutzenden von Substanzen, auf komplexe Organismen dann ebenfalls komplex ist, insbesondere wenn es hormonähnliche Substanzen sind. Da nützen simple Rezepte wenig. Es reicht nicht, irgendetwas wegzulassen oder mit einem Schwarz-Weiss-Bild durch die Gegend zu laufen.

Vergangenen November hatte Ihre Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur Beratungen zu Ernährungsthemen traktandiert. Es ging um verschiedene Vorstösse, und dabei wurde diese Kommissionsmotion mit dem Stimmenverhältnis von 13 zu 10 Stimmen angenommen. Es handelt sich um einen Auftrag an den Bundesrat, die erwähnten Zusammenhänge in das Update der Schweizer Ernährungsstrategie und selbstverständlich auch in die entsprechenden Aktionspläne einzubeziehen.

Eine Kommissionsminderheit und die Verwaltung argumentieren, die herkömmlichen Ansätze genügten, denn mit der Einhaltung der Höchstwerte sei ja die Lebensmittelsicherheit gewährleistet, und darauf basierten dann die Ernährungsempfehlungen. Aber genau mit dieser Sichtweise werden die erwähnten multikausalen Zusammenhänge und die Risikofaktoren, die wir kennen, ausgeblendet. Es ist nun mal eine Tatsache, dass die chronische Exposition gegenüber Dutzenden von Schadstoffen auch in sehr geringer Konzentration unerwünschte Wirkungen und damit auch Kosten mit sich bringt. Genau diese Argumentation ist eine indirekte Bestätigung, dass die Kommissionsmotion Sinn macht, denn wir rennen keine offenen Türen ein.

Im Namen der Mehrheit der Kommission danke ich für Ihre Zustimmung und für Ihre Aufmerksamkeit.