Wenger Rico · Ständerat · 2000-03-07
Wenger Rico · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2000-03-07
Wortprotokoll
In der Tat gibt es gute Gründe, für eine Entkriminalisierung des Cannabiskonsums zu sein. Ich denke dabei an die Entlastung der Polizei, an die Trennung der Konsumenten weicher Drogen von jenen harter Drogen usw. Meiner Auffassung nach kann man aber auch nicht bestreiten, dass der Missbrauch von Cannabis zu einer Persönlichkeitsveränderung führt, die mindestens ebenso grosse soziale Probleme nach sich zieht wie der Alkoholmissbrauch: Vernachlässigung der Pflichten, mangelndes Verantwortungsbewusstsein, sozialer Abstieg. Zudem sind heute auch die gesundheitsschädigenden Wirkungen des Cannabiskonsums bekannt, die Erhöhung des Krebsrisikos zum Beispiel. Nachdem man heute sehr viel Geld investiert, um die Negativfolgen des Alkoholkonsums zu bekämpfen, fragt es sich, ob es sinnvoll ist, hier einen weiteren entsprechenden Stoff zum Konsum freizugeben. Aus gesellschaftlichen - d. h. weniger aus physischen, sondern eher aus psychischen - Gründen ist die Suchtgefahr von Cannabis ausserdem als höher einzustufen als jene von Alkohol; in Bezug auf den Konsum von Cannabis fehlen uns nämlich die einschränkenden gesellschaftlichen Normen. Während es beim Alkohol grundsätzlich einen Konsens gibt, dass er ein Genussmittel ist, das zu gewissen Zeiten in gewissen Mengen konsumiert werden kann - dies kann man geradezu zelebrieren -, gibt es beim Konsum von Cannabis keinen solch einschränkenden Konsens; vielmehr ist das Ziel des Konsums sogar oft der Missbrauch.
Ich wollte das erwähnen, damit hier zu diesem gesellschaftlichen Problem auch ein Gedanke aus der Sicht der Gegnerschaft - zu der ich stehe - eingebracht wird.