Engler Stefan · Ständerat · 2023-06-13
Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2023-06-13
Wortprotokoll
Sie gestatten mir auch einige Bemerkungen zum Postulat Reichmuth. Ich tue dies unter Bekanntgabe meiner Interessenbindung: Ich bin Mitglied des Vorstandes des Bündnerischen Waldwirtschaftsverbandes, bin aber auch Jäger und kenne den Dauerbrenner Wald/Wild seit vielen Jahren. Ich bin mit den Problemen vertraut und auch daran beteiligt, diesen Konflikt so gut wie möglich aufzulösen.
Ich höre vom Postulanten und auch von meinem Vorredner gerne, dass es ihnen nicht darum gehe, die Zuständigkeiten im Bereich Wald und Wild infrage zu stellen. Diese liegen für den Vollzug nämlich im Rahmen von Programmvereinbarungen, die mit dem Bund abgeschlossen werden, richtigerweise bei den Kantonen. Das ist deshalb richtig, weil in den Kantonen unterschiedliche Verhältnisse bezüglich der Verjüngungsproblematik in den Schutz- wie auch den Wirtschaftswäldern vorherrschen. Der Bund, auch das wurde zu Recht gesagt, übt aber die Aufsicht über die Einhaltung dieser Programmvereinbarungen aus, wofür er sich auf eine Vollzugshilfe Wald und Wild abstützt, die den Kantonen bekannt ist und auch als Referenz dient.
Wenn Kollege Reichmuth mit dem Postulat erreichen will, dass der Bundesrat darlegt, wie diese Vollzugshilfe von den Kantonen angewendet wird und was für Defizite damit einhergehen, ist nichts dagegen einzuwenden. Das gehört zur Aufsichtsberichterstattung des Bundesrates gegenüber den Kantonen, aber auch gegenüber dem Parlament.
Dass dem Schutzwald, wo dieser Dörfer und Verkehrsträger vor Naturgefahren schützt, grösste Aufmerksamkeit betreffend Stabilität und Erneuerungsfähigkeit bzw. Verjüngung geschenkt werden muss, bestreitet niemand. Es bestreitet auch niemand, dass im Vergleich zu kostspieligen Schutzbauten die kontinuierliche Pflege das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist.
Zudem weise ich darauf hin, auch das wurde zu Recht gesagt, dass regional ernsthafte Konflikte zwischen dem überwinternden Schalenwild und der Waldverjüngung bestehen, vor allem aufgrund von Verbiss, lokal aber auch aufgrund von Schälschäden. Inwieweit aber auch andere Faktoren, wie die Trockenheit, zurückliegende waldbauliche Massnahmen, Windwürfe, Krankheiten oder die Freizeitnutzung, zur Schwächung des Schutzwaldes beitragen, vermag ich nicht zu beurteilen.
In Graubünden setzt man im Konflikt Wald/Wild auf eine abgestimmte, langjährige Strategie, um die Waldverjüngung und die Wildtierbestände miteinander in Einklang zu bringen. Insofern, Herr Bundesrat, finden Sie in unserem Kanton gute Beispiele dafür, wie die Ziele zu benennen und festzulegen sind, mit welchen Methoden die Zielerreichung gemessen wird und wie die Aufgabenteilung zwischen den verschiedenen Stakeholdern wald-, aber auch jagdseitig erfolgen muss.
Kollege Reichmuth teilt schliesslich mit mir die Einsicht, dass in Bezug auf Wald und Jägerschaft eine Kooperation notwendig ist und dass eine Konfrontation nur schaden kann. Der Bevölkerung erklären zu wollen, dass die Bejagung zur Schädlingsbekämpfung notwendig sei, führt nur zu unversöhnlichen Zielkonflikten, und zwar nicht nur in Bezug auf Wald und Wild, sondern auch mit der Bevölkerung, die in dieser Frage durchaus für tierschützerische Argumente zugänglich ist.
Ich bin aus langjähriger Erfahrung fest davon überzeugt, dass erfolgreiche Lösungen zum Thema Wald/Wild gemeinsam erarbeiteter und gegenseitig akzeptierter Zielsetzungen und Planungen der betroffenen Akteure bedürfen. Die Problemlösung hat schliesslich auf lokaler und regionaler Stufe unter Einbezug von Waldeigentümern und Jägerschaft zu erfolgen. Wenn die gegenseitige Akzeptanz vorhanden ist und die Zusammenarbeit gut funktioniert, dann bin ich überzeugt, dass sich auch Lösungen finden lassen, die auf lange Sicht erfolgreich sind.
Die Aufgabe des Bundes ist es, unter Einbezug der Praxis gesicherte Grundlagen bereitzustellen und die Forschung zu unterstützen. Die entsprechenden Vollzugsinstrumente müssen praxisgerecht sein und auf regionale Unterschiede Rücksicht nehmen. Noch besser ist es, wenn sie unter Mitwirkung der Kantone erarbeitet werden.
Insofern unterstütze ich das Postulat, weil es eigentlich nicht mehr als eine Berichterstattung über die letzten dreizehn Jahre will, seit diese Vollzugshilfe Wald und Wild erlassen wurde. Dies soll unter Einbezug neuer Erkenntnisse geschehen, vielleicht auch unter Einbezug der Diskussion über Klima und Trockenheit und deren Auswirkungen. Wenn aus diesem Bericht ein Vergleich von guten Lösungen in den Kantonen resultiert und die Kantone dadurch voneinander profitieren können, ist das letztendlich ein Gewinn für alle.