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Töngi Michael · Nationalrat · 2023-06-13

Töngi Michael · Nationalrat · Luzern · Grüne Fraktion · 2023-06-13

Wortprotokoll

Ja, es ist ein Fakt, der Online-Handel hat in den letzten Jahren stark zugenommen - das ist keine Neuigkeit. Was wir aber immer noch nicht wissen, ist, was das eigentlich für ökologische Auswirkungen hat. Denn es ist klar, es hängt davon ab, wie die Pakete transportiert werden, wie gut die letzte Meile organisiert ist. Fahren fünf Lieferwagen hin und her oder ist es einer? Es hängt natürlich auch davon ab, was die Leute, die Sachen online bestellen, nachher mit ihrer Freizeit machen: Fahren sie mit dem Auto noch weiter, oder bleiben sie zuhause? Das ist eine relativ komplizierte Frage.

Eines dagegen ist klar: Es ist unökologisch, wenn riesige Mengen an Paketen wieder zurückgeschickt werden. Sie werden von Kundinnen und Kunden wieder zurückgebracht, sie müssen zurücktransportiert werden. Die Produkte werden auch nicht immer wieder gebraucht, sondern landen zum Teil sogar im Abfall, obwohl man sie noch weiterbrauchen und wieder verkaufen könnte. Wer, wie ich es oft gemacht habe, an einem Samstag auch einmal neben einer Postfiliale Unterschriften sammelt, sieht die Mengen an Paketen, die die Leute wieder zurückbringen; da sieht man, wie viel das eben ist. Die Schweiz ist in diesem Bereich Spitzenreiterin: Wir haben im Online-Handel eine Rücksendequote von 27 Prozent. In vielen Ländern liegt diese Quote viel tiefer, etwa bei 10 Prozent; das ist ein Durchschnitt.

Die Rücksendequote, das ist auch klar, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das eine ist - das hat man auch schon diskutiert und das ist eine Geschichte der Wirtschaft -, dass man eben genaue und international normierte Grössenbezeichnungen hat, man also nicht ein Paket aufmacht und nachher merkt: Das kann ich ja gar nicht tragen, weil es eine völlig falsche Grösse ist. Aber ein anderer Punkt ist eben auch die Frage: Kann ich die Sachen gratis zurücksenden oder nicht? Dazu gibt es Studien, und es zeigt sich: Wenn das Zurücksenden nichts kostet, dann wird eben viel mehr bestellt, weil man es einfach einmal ausprobieren kann, weil man einmal schaut. Es ist übrigens auch nicht gratis, sondern wird einfach auf den Preis gelegt, und es bezahlen einfach alle anderen. Es gibt Studien in Deutschland, die klar zeigen, dass schon ein Rücksendeporto von 2,50 oder 3 Euro eine signifikante Wirkung hätte und die Leute eben weniger bestellen würden.

Das Verbot von Gratisretouren würde auch kleineren Unternehmen nützen. Es ist nämlich heute so, dass sich kleine Unternehmen Gratisretouren gar nicht leisten können. Sie haben keine Distributionen, sie müssen anders rechnen, für sie ist der Rückversand mit der ganzen Administration zu teuer. Wenn man Betriebe im kleineren Versandhandel fördern möchte - häufig sind es Familienbetriebe -, dann wäre es ein Mittel, Gratisrückversände auch für die grossen Versandhandelsunternehmen zu verbieten.

Es ist klar: Der Online-Handel hat sich etabliert. Ich möchte nochmals betonen, dass es kein Vorstoss gegen den Online-Handel ist. Der Bundesrat hat es in seiner Stellungnahme ein wenig in diese Richtung ausgelegt. Er räsoniert z.[NB]B. auch darüber, ob Online-Handel ökologisch sei oder ob man vor Ort einkaufen solle. Ich glaube, darum geht es bei [PAGE 1287] diesem Vorstoss wirklich nicht. Es geht ganz konkret um eine Massnahme: dass sich die Leute etwas besser überlegen, wie viel sie bestellen wollen, ob sie vielleicht etwas besser doch nicht bestellen, weil es zu einem grossen Teil wieder zurückgeschickt wird. Ich glaube, wir sollten hier mit konkreten Massnahmen mithelfen, um diese Paketflut ein Stück weit einzudämmen.