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Goll Christine · Nationalrat · 2003-03-21

Goll Christine · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-03-21

Wortprotokoll

Es gibt hundert gute Gründe, einen Elternurlaub, wie ihn die Parlamentarische Initiative Teuscher vorschlägt, zumindest zu prüfen. In allererster Linie sind das die Kinder selber. Kinder brauchen Zeit, Betreuung und Zuwendung, und Kinder brauchen insbesondere beide Elternteile, Vater und Mutter. Kinder werden krank, und sie brauchen dann besonders viel Zeit, Betreuung, Zuwendung und Pflege. Kinder machen auch Freude. Eltern wollen hautnah an der Entwicklung ihrer Kinder teilhaben.

Kinder und Eltern sind heute leider immer noch mit der Tatsache konfrontiert, dass wir in diesem Land zu wenig ausserhäusliche Betreuungsplätze für Kinder haben, auch wenn wir mit der Parlamentarischen Initiative Fehr Jacqueline 00.403 für eine Anstossfinanzierung durch den Bund einen sehr grossen Schritt gemacht haben.

Ein weiterer Grund, die Einführung eines Elternurlaubes zumindest zu prüfen, ist die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Trend zur Teilzeitarbeit nimmt zu, und zwar [PAGE 496] nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern, weil sie die Kinderbetreuung auch aufteilen wollen. Gerade Elternteile, die beide gezwungen sind, aus wirtschaftlichen Gründen 100 Prozent ihrer Erwerbsarbeitskraft einzusetzen, sind auf einen Elternurlaub angewiesen.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie heisst auch eine Umverteilung der bezahlten Erwerbsarbeit und der unbezahlten Erziehungs- und Betreuungsarbeit. Männer und Frauen, die Beruf und Familie besser vereinbaren können, sind nicht nur die besseren Eltern, sondern sie sind auch die besseren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Die Schweiz hat einen sehr grossen Nachholbedarf in der Familienpolitik, aber auch einen Nachholbedarf bei den Rechten der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen.

Bei der Mehrheit unserer Kommission, der SGK, überwogen die finanzpolitischen Abwehrreflexe bei der Ablehnung dieser Parlamentarischen Initiative. Familien- und sozialpolitische Aspekte standen nicht im Vordergrund; sie wurden nicht einmal diskutiert. Aber gerade gute familien- und sozialpolitische Rahmenbedingungen sind auch ein Gewinn für die Wirtschaft.

Der in der Parlamentarischen Initiative Teuscher vorgeschlagene Elternurlaub ist auch für die Wirtschaft verkraftbar: Schauen Sie sich an, in welcher Form dieser Elternurlaub bezogen werden kann! Frau Teuscher schlägt vier Monate vor, aufgeteilt - fifty-fifty - auf beide Elternteile, bis ihre Kinder das Alter von zwei Jahren erreichen. Das bedeutet in diesen zwei Jahren zwei Monate pro Elternpaar; und das heisst im Klartext: einen Monat pro Jahr für Vater und Mutter, wobei der Bezug eben auch pro rata möglich sein soll.

Die Kommission hat es sich bei der Behandlung dieser Initiative sehr einfach gemacht. Sie hat nämlich nicht beurteilt, ob das Anliegen unterstützt werden kann oder nicht - Sie können das im Bericht der Kommission nachlesen -, sie hat einfach aus finanzpolitischen Gründen Nein gesagt. Sie hat vor allem darauf hingewiesen, dass andere familienpolitische Vorlagen bereits in der Pipeline seien. Ich möchte Sie jedoch darauf aufmerksam machen, dass diese anderen familienpolitischen Vorlagen alles andere als unter Dach und Fach sind.

In diesem Sinne möchte ich Sie bitten, die Parlamentarische Initiative Teuscher zu unterstützen. Dies würde es uns erlauben, einen Elternurlaub im Rahmen der weiteren familienpolitischen Vorlagen zumindest zu prüfen.