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Reimann Maximilian · Ständerat · 2003-03-05

Reimann Maximilian · Ständerat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2003-03-05

Wortprotokoll

Wenn man Frau Brunner Christiane und insbesondere Herrn Leuenberger so zugehört hat, stellt sich doch folgende Frage: Wem nützt eigentlich die totale Offenlegung aller Kaderentschädigungen bei unseren bundesnahen Unternehmen?

Ich habe lange darüber nachgedacht, und ich muss Ihnen sagen, Herr Leuenberger, genauso wie Sie bin auch ich für bestmögliche Transparenz, aber es kommt darauf an wo. Ich komme hier zu einer anderen Erkenntnis: Totale Offenlegung nützt hier doch einzig und alleine dem Voyeurismus - dem Voyeurismus der Gewerkschaften, aber auch gewisser Medien, dem reinen Boulevardjournalismus und den boulevardjournalistisch angehauchten Wirtschaftsmedien. Diese Kreise stürzen sich doch alljährlich auf solche Lohn- und Bonuszahlen, vergleichbar wie einst, als man noch für fünf oder zehn Franken die Steuerdaten irgendeines unbescholtenen Bürgers kaufen und darum herum eine genüssliche Story machen konnte - Privatsphäre der so öffentlich an den Pranger gestellten Leute hin oder her. Diesen Voyeurismus sollten wir nicht noch begünstigen. Mir genügt für die einfachen Verwaltungsräte und für die Führungskräfte der zweiten Ebene die Veröffentlichung der Gesamtsumme.

Stellen Sie sich doch vor, was das für ein "Fressen" für gewisse Medienleute ist - entschuldigen Sie diesen vulgären Ausdruck, aber hier trifft er nun wirklich zu -, wenn sie alljährlich in den Salär- und Gratifikationsunterlagen der bundesnahen Unternehmen herumschnüffeln können, um dann Vergleiche anzustellen und Kommentare darüber wiederzugeben, warum die eine oder andere Führungskraft nun mehr oder weniger Bonus erhalten hat. Es werden der Aufsteiger und der Absteiger des Jahres ermittelt. Zum öffentlichen Pranger ist es dann nicht mehr sehr weit. Glaubt denn jemand, damit nütze man dem betroffenen Unternehmen und seinen Kaderleuten? Das Gegenteil wird eintreffen: Viele gute Nachwuchskräfte werden sich weigern, auf diese Art und Weise ins Schaufenster gestellt zu werden, und sie werden es vor allem auch mit Rücksicht auf ihre Familien tun. Per Saldo resultiert also ein echter Schaden im Bereich der Kaderkräfte und damit des Humankapitals unserer bundesnahen Unternehmen, und dem sollten wir den Riegel schieben.

Das wäre ein klares Nein zum Minderheitsantrag Brunner Christiane sowie ein klarer Fingerzeig an die Adresse des Nationalrates.