Silberschmidt Andri · Nationalrat · 2023-09-13
Silberschmidt Andri · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2023-09-13
Wortprotokoll
Die Schweiz ist Europameisterin - die Schweiz ist Europameisterin im Unternehmertum! Sie hat dieses Wochenende in Danzig mit Ray und Ralf, die sich hier auf der Tribüne befinden, die Goldmedaille in der Berufsmeisterschaft für das Unternehmertum gewonnen. Das ist Grund zum Feiern, (Glocke des Präsidenten) aber es ist sicher noch nicht das Ende einer wichtigen Reise für das unternehmerische Denken und Handeln.
Wieso ist das heute so wichtig? Wenn man vom unternehmerischen Denken und Handeln spricht, denkt man vielleicht an Jungunternehmerinnen oder an Start-ups. Es geht dabei aber um viel mehr. Es geht darum, dass junge Menschen in der Schweiz die Fähigkeit vermittelt erhalten, Probleme zu erkennen und zu lösen. Sie sollen nicht nur rechnen und schreiben lernen, sondern eben auch die Fähigkeit erwerben, anzupacken und mutig voranzuschreiten. Denn das braucht die Schweiz, heute wie auch in Zukunft. Während das unternehmerische Denken und Handeln an einigen Hochschulen und auch in der Arbeitswelt teilweise schon stark gefördert und gefordert wird, ist das in anderen Schulen, gerade auch in der Volksschule, noch wenig der Fall.
Das vorliegende Postulat fordert nicht mehr als einen Bericht vom Bundesrat, um zusammen mit der EDK eine Auslegeordnung dazu zu machen, wie es um das unternehmerische Denken und Handeln in der aktuellen Bildungslandschaft steht, wo es heute verankert ist und wo man es noch stärken oder in Zukunft die verschiedenen Initiativen besser aufeinander abstimmen kann. Ich werte es als positiv, dass der Bundesrat in seiner Stellungnahme zum Postulat das unternehmerische Denken und Handeln als wichtige Zukunftskompetenz einordnet. Weiter ist es positiv, dass der Bundesrat das unternehmerische Denken und Handeln als breite und umfassende Fähigkeit zur Entwicklung und Umsetzung von Ideen versteht, die verschiedene Aspekte[NB]einschliesst, nämlich betriebswirtschaftliche, technologische, soziale, kreative und künstlerische.
Für mich bedeutet unternehmerisches Denken und Handeln, mit Risiken umgehen zu können, den Mut aufzubringen, Fehler machen zu können, und daraus zu lernen. Letztlich geht es also auch darum, eigeninitiativ und selbstwirksam zu handeln und zu gestalten. In dieser Beziehung können wir im Bildungswesen in der Schweiz noch Fortschritte machen; bei einem Blick auf die Aktivitäten und Strategien in anderen europäischen Ländern zeigt sich, dass wir diesbezüglich durchaus noch Defizite haben.
Die Antwort des Bundesrates auf mein Postulat zeigt in aller Deutlichkeit auf, dass im ganzen Bildungssystem in der Abstimmung der unternehmerischen Kompetenzen ein grosses Defizit besteht. Transversale Kompetenzen in der Volks- und Mittelschule, Entrepreneurship-Angebote auf Hochschulstufe und Unternehmensführung im Bereich der höheren Berufsbildung sind als wichtige Bausteine im Bildungssystem vorhanden und werden weiterentwickelt. Eine substanzielle Aussage zum unternehmerischen Denken und Handeln im Bereich der beruflichen Grundbildung fehlt in der bundesrätlichen Antwort jedoch gänzlich. Zudem wird nicht einmal erwähnt, dass in verschiedenen Berufsfachschulen in der ganzen Schweiz seit 2018 Pilotprojekte zur Implementierung von unternehmerischem Denken und Handeln umgesetzt werden.
Der Bericht in Beantwortung des Postulates 20.4285 der FDP-Liberalen Fraktion, "Berufsbildung und Gleichstellung. Lust und Kompetenzen vermitteln, unternehmerisch tätig zu werden, Frauen wie Männern und in allen Branchen", fokussiert auf Lehrmittel und Gleichstellung und beinhaltet gewiss zahlreiche Massnahmen. Dass dieser Bericht als Antwort auf die Forderungen meines Postulates zur besseren systemischen Einbettung der unbestritten wichtigen und relevanten Zukunftskompetenz des unternehmerischen Denkens und Handelns ausreichen soll, vermag nicht zu überzeugen.
Mit Annahme des vorliegenden Postulates eröffnet sich für uns und die Schweiz eine grosse Chance. Wir können nämlich erstmals eine ganzheitliche, systemische Analyse einer - und davon bin ich zutiefst überzeugt - zentralen menschlichen Kompetenz auf den Weg bringen, die sowohl für den Wohlstand wie auch für die gesellschaftliche und ökologische Entwicklung der Schweiz eine herausragende Bedeutung einnimmt.
Bitte leisten Sie mit einem Ja zum Postulat einen Beitrag zu einem grossen Vorhaben für eine zwar punktuelle, aber doch tiefgründige Neugestaltung von Schule und Erziehung.