Lexipedia

Beerli Christine · Ständerat · 2003-03-20

Beerli Christine · Ständerat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2003-03-20

Wortprotokoll

Ich weiss nicht genau, welches Zitat Herr Béguelin gebraucht hat, ob es sich allenfalls um den Gesundheitsrat handelt, in dem Herr Leu und ich mitarbeiten konnten. Wenn es dieser gewesen wäre, dann muss ich Ihnen sagen, dass er die Netzwerkidee sehr unterstützt, und zwar in der hier vorliegenden Ausgestaltung. Da ist also keine Kritik gefallen, sondern grosse Unterstützung zuteil geworden.

Ich möchte doch zu einigen Punkten noch ganz kurz Stellung beziehen: [PAGE 346]

Die Netzwerke sind in Artikel 13 Absatz 2 verankert. Also dort geben wir den Krankenkassen den gesetzlich verankerten Auftrag, dass sie solche Netzwerke mit Budgetverantwortung schaffen. Das ist das neue Element im Ganzen.

Ich möchte noch einmal ganz kurz ausführen, was ich schon in der Eintretensdebatte gesagt habe: Für mich ist das Ganze vor allem unter dem Gesichtspunkt der Qualitätssicherung zu sehen und erst zweitrangig dann unter dem Gesichtspunkt der Kostendämpfung. Ich bin überzeugt, dass der Patient, der sich zur Pflege in ein Netzwerk begibt, als Ganzes betreut wird, und zwar nicht einzig von einem Grundversorger, sondern eben auch jederzeit von einem beigezogenen Spezialisten oder anderen Leistungserbringer, sei das ein Physiotherapeut oder wer auch immer dann in diesem Netzwerk noch mit tätig ist. Es wird eine ganzheitliche Betreuung des kranken Menschen möglich sein.

In einer weiteren Phase - das haben wir auch bereits angetönt - ist die auch als sehr positiv erachtete Möglichkeit gegeben, dass die Netzwerke eben auch direkt mit stationären Leistungserbringern zusammenarbeiten, seien dies dann Spitäler oder Organisationen der Langzeitpflege. Es wird möglich sein, dass der Patient nun wirklich vom Grundversorger über das Spital bis schliesslich allenfalls zur Langzeitpflege im gleichen Netzwerk behandelt wird. Das fördert eine ganzheitliche Betrachtungsweise, was auch eine gegenseitige Qualitätskontrolle der Ärzte oder der Leistungserbringer möglich macht, die in den Netzwerken tätig sind. Dort wird im Gespräch, in der gegenseitigen Kontrolle dessen, was man am Patienten tut, die Qualität gesichert. Kein Netzwerk hat ein Interesse daran, schwarze Schafe oder minderwertige Qualität liefernde Leistungserbringer in seinen Reihen zu haben. Dort wird sich eine innere Reinigung innerhalb der Netzwerke von selber ergeben. Das wiederum bedeutet, dass der Patient weniger Veranlassung hat zum so genannten "Ärztehüpfen": Er wird immer weniger eine erneute Konsultation bei einem anderen Grundversorger oder allenfalls dann direkt beim Spezialisten suchen. Das wiederum hat eine indirekt kostendämpfende Wirkung.

Wieso setzen wir den Anreiz über den Selbstbehalt und nicht, wie das bei den Netzwerken bis anhin gemacht worden ist, über die Prämien? Das Modell über die Prämien ist insofern fehlgeschlagen, als diese Modelle, die dann häufig auch noch keine Budgetverantwortung trugen, von jungen gesunden Menschen gewählt wurden, weil sie niedrigere Prämien zu bezahlen hatten und sich vorstellten, sie würden in der nächsten Zeit sowieso keine Pflege benötigen. Wenn dann der Pflegefall eintrat oder eine ärztliche Konsultation notwendig wurde, wurde allenfalls sogar das Modell gewechselt; man ist wieder in den Einzelvertrag übergewechselt. Das hat bedeutet, dass die Netzwerke bis anhin eben gar nie richtig ihre qualitätssichernde und kostendämpfende Wirkung entfalten konnten.

Wir möchten, dass sich vor allem auch Leute mit längeren oder chronischen Krankheiten in Netzwerken behandeln lassen, weil erst dann das möglich ist, was man unter dem neudeutschen Begriff Disease Management versteht: Ganze Krankengruppen, seien es jetzt z. B. Herzpatienten oder Diabetiker, kann man eben auch speziell behandeln und betreuen. Man kann sie auch längere Zeit mitverfolgen. Es gibt neuere Studien, die ganz klar aufzeigen, dass Patienten wie Herzpatienten viel weniger stark behandelt werden müssen, wenn sie sehr nahe betreut werden, allenfalls dann auch von einem Leistungserbringer im Netzwerk wieder zu Konsultationen sogar telefonischer Art und Weise herangezogen werden. Demzufolge gehen die Kosten im Ganzen gesehen wesentlich runter.

Im Übrigen möchte ich auch noch die Folge aufzeigen, die wir in Bezug auf die Finanzierung im stationären Bereich haben. Wir haben auch schon darüber diskutiert, als wir über den Monismus sprachen. Wir sind jetzt den vernünftigen Weg, den schrittweisen Weg hin zum Monismus gegangen, und wir werden die Möglichkeit haben, die Modelle, die in dieser Diskussion um den Monismus vorliegen, noch vertieft zu diskutieren.

Ein Modell, das sehr viele interessante Punkte aufweist, ist jenes, das vorsieht, dass man eben auch über die Netzwerke zum Monismus übergehen kann und dass die Netzwerke als Einkäufer im stationären Bereich tätig sein können. Das heisst, dass die Netzwerke ihre stationären Leistungen, von denen ich schon vorhin gesprochen habe, einkaufen werden, z. B. die Herzchirurgie bei der Klinik X und die Orthopädie beim Spital Y. Dadurch können sie das Kosten-Nutzen-Verhältnis auch wieder optimieren, weil sie als Einkäufer etwas von der Sache verstehen und weil sie die Kosten und den Nutzen viel besser gegeneinander abwägen können, als wenn dieser Monismus einzig über die Versicherer stattfinden würde.

Um noch ganz kurz den Einwänden oder den Ängsten von Frau Berger entgegenzutreten: Wir haben ja auch gesehen, dass es in unserem Land Regionen geben könnte, die allenfalls keine Netzwerke haben, und deshalb haben wir in Artikel 64 die Bestimmung aufgenommen, dass jene Versicherten, die an einem Ort wohnen, an dem diese Versicherungsform nicht angeboten wird, in der gleichen Selbstbehaltklasse bleiben und dass sie nicht diesen höheren Selbstbehalt zu bezahlen haben, wenn sie sich ausserhalb des Netzwerkes behandeln lassen. Im Übrigen muss man auch davon ausgehen, dass die Netzwerke ganze Regionen abdecken werden. Netzwerke decken also nicht einzig eine Ortschaft ab, sondern sie werden ganze Regionen oder allenfalls auch die ganze Schweiz abdecken. Es gibt schon heute Netzwerke, die mindestens in der ganzen Deutschschweiz tätig sind. Wenn wir dieses System jetzt doch noch mit einigen Motivationsfaktoren versehen, dann werden die Netzwerke eine noch viel stärkere Verbreitung haben und so auch ihre positive Wirkung entfalten können.

Ich bitte Sie, wie dies auch Frau Saudan getan hat, hier der Kommission zu folgen, denn es handelt sich wirklich um einen Kernpunkt der Vorlage.