Lexipedia

Graf Maya · Nationalrat · 2003-05-05

Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2003-05-05

Wortprotokoll

Die grüne Fraktion unterstützt mit Nachdruck den Minderheitsantrag Müller-Hemmi. Hier darf sicher nicht gespart werden. Es wären Sparmassnahmen auf dem Buckel der Frauen. Dagegen wollen wir uns wehren. Gesundheit, Soziales, Kunst - diese Berufe weisen einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil aus. Es sind und waren typische Frauenberufe. Müssen sie vielleicht deswegen jetzt wieder hintenanstehen? Das darf nicht sein.

Seit dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung ist der Bund auch für die Regelung der Berufsbildungsbereiche Gesundheit, Soziales und Kunst zuständig. Dementsprechend müsste der Bund diese Bereiche unterstützen. Die BFT-Botschaft - wie sie vorgelegt wurde - sieht aber für die Fachhochschulentwicklung in diesen Bereichen nichts vor, mit Ausnahme der 10 Millionen Franken pro Jahr, die der Bund den höheren Fachschulen bisher zukommen liess. Das genügt in keiner Weise, im Gegenteil. Mit diesem Verhalten gefährdet der Bund die Fachhochschulentwicklung in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Kunst und verzögert deren Integration für viele Jahre. An einem Beispiel möchte ich Ihnen aufzeigen, wie fatal die Auswirkungen wären.

Zu den Fachhochschulen im Sozialbereich: Der Sozialbereich braucht qualifiziertes Personal auf allen Stufen. Fachhochschulen und höhere Fachschulen sind wichtige Pfeiler eines Bildungsangebotes, das sowohl dem Bedarf der Gesellschaft und der Arbeitswelt als auch den Bedürfnissen der sozial Benachteiligten in unserem Land Rechnung tragen muss. Die Weichen für diese Entwicklung der Berufsbildung im Sozialbereich sind gestellt. Die Kantone sind bei den Fachhochschulen in der Aufbauphase. Ein solcher Finanzierungseinbruch in der jetzigen Phase wäre ein Stillstand. Vielleicht würde er sogar einen Entwicklungsrückgang auslösen. Das darf nicht sein.

Nun noch zum Gesundheitsbereich: Die Fachhochschulen im Gesundheitsbereich sind eine Notwendigkeit im schweizerischen Bildungs- und Gesundheitswesen. Wie soll der [PAGE 567] Mangel an qualifiziertem Personal im Gesundheitswesen sonst aufgehoben, wie soll die Situation sonst verbessert werden? Der Beruf Fachangestellte Gesundheit mit der Berufsmaturität muss attraktiv aufgegleist werden. Die Fachhochschulen Gesundheit befinden sich zurzeit in einer sehr sensiblen Aufbauphase. Die fehlenden Bundesmittel für die Fachhochschulen drohen, den Fachhochschulbetrieb zum Beispiel in der Westschweiz massiv zu erschweren und den notwendigen Aufbau in der Deutschschweiz zu stoppen. Das Ungleichgewicht zwischen der Romandie und der Deutschschweiz würde sich noch verschärfen. Es ist zu sagen, dass Ausbildungen im Gesundheitswesen aufgrund der wachsenden Anforderungen durch die gesellschaftlichen Entwicklungen unumgänglich geworden sind. Die Reformen im Gesundheitswesen und der gesellschaftliche Wandel verstärken diese Komplexität. Darum braucht es im Gesundheitssystem umfassende Kenntnisse, und darum braucht es heute diesen Aufbau der Fachhochschule Gesundheit.

Das sind die Gründe, warum Sie die grüne Fraktion bittet, den Minderheitsantrag zu unterstützen und diese 84 Millionen Franken zu sprechen. Es ist ein kleiner Anteil, denn wir wissen alle, dass es für eine wirkliche, ehrliche Integration noch mehr Mittel brauchen würde.