Meier Andreas · Nationalrat · 2024-03-12
Meier Andreas · Nationalrat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2024-03-12
Wortprotokoll
Vorab meine Interessenbindung: Ich bin Mitglied des Verwaltungsrates des Hightech-Zentrums Aargau, einer kantonalen Institution, welche KMU bei Innovationsprojekten über einen effizienten Wissens- und Technologietransfer unterstützt.
Mein Postulat lädt den Bundesrat dazu ein, über Innosuisse Massnahmen zu ergreifen, damit die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten von kleineren KMU und deren Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen nicht nachlassen. Insbesondere sollen dadurch Projektanträge mit einem Förderbeitrag von bis zu 150[NB]000 Schweizerfranken gefördert werden.
Lassen Sie mich Folgendes vorausschicken: Es geht in meinem Postulat weder um eine Kritik an Innosuisse noch um ein Ausspielen von Start-up-Unternehmen gegenüber KMU. Innosuisse ist die wichtigste Innovationsförderorganisation in der Schweiz und leistet einen unverzichtbaren Beitrag. Bei Innovationen unterscheidet man aber zwischen inkrementellen und radikalen Innovationen. Erstere sind Produkte und Prozesse, welche für das Unternehmen neu sind; bei letzteren geht es um etwas, das eine Marktneuheit darstellt. Gerade radikale Innovationen kommen vielfach von Start-up-Unternehmen, da stimme ich dem Bundesrat zu. Die braucht es auch. Wenn sich der Bundesrat aber auf den Standpunkt stellt, das Ziel der Innovationsförderung sei es, einen möglichst hohen Anteil radikaler Innovationen zu fördern, dann vergisst er, dass das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft aus etablierten KMU besteht. Deren Erfolg basiert eher auf inkrementellen Innovationen.
Recherchen zeigen in vielen Kantonen den gleichen Trend: Gegenüber der Situation vor ein paar Jahren werden inkrementelle Innovationen von Innosuisse immer häufiger abgelehnt, mit der Begründung, der Innovationsgehalt sei zu tief. Es scheint mir, dass sich der Bundesrat nicht bewusst ist, wie wichtig es für KMU ist, von den Angeboten von Innosuisse und unseren Hochschulen profitieren zu können. Die Bedeutung der inkrementellen Innovationen darf nicht unterschätzt werden.
In der neuen KOF-Studie von 2024 wird festgestellt, dass der kommerzielle Erfolg von neuen Produkten oder Prozessen zunehmend auf inkrementellen und nicht auf radikalen Innovationen basiert. Wenn es also das Ziel des Bundesrates ist, die von verschiedenen Studien bestätigte Abnahme innovationsaktiver Unternehmen zu stoppen, dann braucht es auch für KMU dringend eine Stärkung des Zugangs zu den Fördermitteln von Innosuisse.
Für Vorstudien bis 15[NB]000 Franken hat Innosuisse mit dem Innovationsscheck bereits ein gut funktionierendes Instrument [PAGE 448] etabliert. Für Folgestudien liegt das Projektvolumen für kleinere KMU im Bereich von 150[NB]000 Franken. Gerade hier gibt es aber eine Lücke bei der Förderung: Die ebenfalls gut etablierten regulären Projektförderungen von Innosuisse stehen theoretisch auch für solche Folgestudien offen. Ein Antrag macht dort aber erst ab einem Fördervolumen von mindestens 200[NB]000 Franken Sinn. Bei einem kleineren Projekt ist einerseits der Aufwand für die Erstellung des Antrages aufseiten der KMU und Hochschulen zu gross. Andererseits ist aber auch auf der Seite von Innosuisse der Aufwand für die Beurteilung über den etablierten Förderprozess zu gross. Hier besteht also Handlungsbedarf für eine geeignete schlanke und effiziente Lösung.
Eine neuere Studie im Auftrag des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation kommt zum Schluss, dass die Komplexität der Innovationstätigkeit für Unternehmen in den letzten zwanzig Jahren deutlich zugenommen hat. Der Wissens- und Technologietransferprozess für KMU muss verbessert werden. Einer der Autoren folgert in einem Artikel in der Zeitung "Finanz und Wirtschaft": "Die Entscheidungsträger in Unternehmen, Verbänden, Bund und Kantonen sind gut beraten, diese Analysen nicht auf[NB]die[NB]lange[NB]Bank[NB]zu[NB]schieben,[NB]damit[NB]der[NB]in einigen Bereichen noch bestehende Innovationsvorsprung der Schweizer Wirtschaft erhalten bleibt." Wir können hierzu einen Beitrag leisten.
Ich danke Ihnen für Ihre Bereitschaft, dieses Postulat zu unterstützen.