Kälin Irène · Nationalrat · 2024-03-13
Kälin Irène · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2024-03-13
Wortprotokoll
Das Bedürfnis der Bevölkerung nach mehr Tierwohl und weniger Hochleistungszucht, vor allem aber äussere Bedingungen wie die klimatischen Veränderungen, Infektionskrankheiten oder Parasitenbefall zeigen zunehmend Schwächen und Anfälligkeit von einseitig auf Leistung optimierten Nutztierrassen auf. Um auf die gesellschaftlichen wie klimatischen Veränderungen einzugehen, ist es wichtig, dass vermehrt und entschieden in die Zucht, Erforschung und Anwendung von robusten Rassen investiert wird. Der Bund soll daher mit dieser Motion aufgefordert werden, Massnahmen zur Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen mit Schweizer Ursprung zu verstärken und standortangepasste Nutztierrassen wie Zweinutzungsrassen gezielt zu fördern.
Zu Recht hält der Bundesrat in seiner Antwort fest, dass er Ersteres anerkannt hat und bereits mit verschiedenen Massnahmen fördert. Traditionelle Schweizer Nutztierrassen sind aber nur ein Teil der Forderung dieser Motion. Die vorliegende Motion will mehr. Bei der Förderung von Zucht und Anwendung lokaler, standortangepasster Nutztierrassen, insbesondere auch von Zweinutzungsrassen, besteht in der Schweiz noch erhebliches Potenzial. Die gezielte Züchtung und Anwendung robuster Nutztierrassen, welche an lokale Umweltbedingungen angepasst sind, eine hohe Nährstoffnutzungseffizienz und gute Resistenzprofile aufweisen, bieten eine grosse Chance für die Weiterentwicklung einer nachhaltigen und möglichst standort- und tiergerechten Landwirtschaft. Dabei soll es nicht nur darum gehen, alte Rassen zu erhalten, sondern auch darum, die Schweizer Landwirtschaft dank robusteren Nutztierrassen unabhängiger und krisenresistenter zu gestalten.
Das Projekt "Nachhaltige Absicherung der Zucht der drei Schweizer Hühnerrassen durch Erhaltungs- und Leistungsmonitoring unter Praxisbedingungen" unter der Federführung [PAGE 466] des BLW bietet wichtige Erkenntnisse in Bezug auf Brut- und Legeleistungen und damit auch Anhaltspunkte für die Zucht standortgerechter Hühnerrassen, um ein positives Beispiel zu nennen. Davon braucht es aber mehr, viel mehr. Das Bedürfnis der Gesellschaft nach mehr Tierwohl ist dabei nur eines der Argumente. Das viel gewichtigere und damit für unsere Landwirtschaft wohl wichtigere ist, dass wir aufgrund klimatischer Veränderungen gefordert sind, unsere Landwirtschaft nachhaltig und resilient auszurichten. Das will die vorliegende Motion unserer ehemaligen Kollegin Meret Schneider.
Der Bund soll beauftragt werden, durch vermehrte Bereitstellung von Ressourcen im Bereich Tierzucht die Zucht, Erforschung und Anwendung robuster, älterer Nutztierrassen zu fördern. Ich danke Ihnen für die Unterstützung.