Munz Martina · Nationalrat · 2024-03-13
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-03-13
Wortprotokoll
Eine hohe Sprachkompetenz ist in der Arbeitswelt unbestritten wichtig. Mit grossem Aufwand wird in der obligatorischen Schulzeit eine zusätzliche Landessprache sowie meist zusätzlich eine Fremdsprache gelehrt. Leider finden diese aufwendigen und kostspieligen Bemühungen der Volksschule in der Berufsbildung oft ein jähes Ende. Im KV wird die Sprachförderung intensiv weitergeführt. In den Lehrplänen vieler gewerblicher und technischer Berufe sucht man den Unterricht einer Fremd- oder einer zusätzlichen Landessprache oft vergeblich. Die Jugendlichen verlieren damit die Sprachkompetenz, die sie in der obligatorischen Schulzeit erworben haben.
Damit schaffen wir eine krasse Ungerechtigkeit. Die Berufsmaturitätsschulen setzen für die BM2 Landes- oder Fremdsprachenkenntnisse voraus und prüfen diese Kompetenzen in der Regel bei der Aufnahmeprüfung. Jugendliche, die während drei Jahren oder mehr keinen Sprachunterricht mehr hatten, sind diskriminiert. Drei Jahre ohne Unterricht in den Prüfungsfächern - das schreckt Berufslernende ab, eine Aufnahmeprüfung für die BM2 überhaupt zu absolvieren. Es besteht eine eklatante Ungleichheit zu Berufen, deren Lehrpläne alle Kompetenzen schulen, die als Aufnahmefächer für die BM2 vorausgesetzt werden.
Der Bundesrat schreibt in der Begründung seiner ablehnenden Haltung, dass das Schweizer Berufsbildungssystem so ausgelegt sei, dass sich die Inhalte der Ausbildung an den Bedürfnissen auf dem Arbeitsmarkt orientieren. So weit, so gut. Aber das schweizerische Bildungswesen ist auch stolz auf die hohe Durchlässigkeit. Das ist ein Qualitätsmerkmal unseres Bildungssystems, und genau um diese Durchlässigkeit geht es mir. Vorwiegend für Lernende der technischen und gewerblichen Berufe ist die Durchlässigkeit des Systems erschwert. Diese Berufslernenden erleben eine krasse Diskriminierung. Ihnen wird der Anschluss an eine Berufsmaturitätsschule erschwert oder gar verunmöglicht. Ich bin deshalb der Meinung, dass die Durchlässigkeit des Bildungssystems in den Lehrplänen höher als die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes gewichtet werden muss.
Wegen der Chancengerechtigkeit müssen die Berufsverbände verpflichtet werden, die Sprachförderung in ihre Lehrpläne aufzunehmen. Anders kann die Durchlässigkeit und Chancengerechtigkeit für weiterführende Schulen nicht gewährleistet werden.
Der Bundesrat schreibt weiter, dass das SBFI die Orientierungshilfe "Integration von Fremdsprachen in der beruflichen Grundbildung" entwickelt. Daraus ist zu erkennen, dass das SBFI die Problematik erkennt. Es braucht aber klare Weisungen für obligatorischen Fremdsprachenunterricht und nicht nur Orientierungshilfen. Auch die Angebote von Movetia sind zu begrüssen. Solange die Sprachaufenthalte aber nicht obligatorisch sind, ist das Angebot ungenügend. Damit kann keine echte Durchlässigkeit unseres Bildungssystems gewährleistet werden.
Ich bitte Sie, meinem Postulat zuzustimmen. Für die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems braucht es obligatorischen Fremdsprachenunterricht in der Grundbildung aller Berufe. Sorgen Sie dafür, dass Lernende vorwiegend in gewerblichen und technischen Berufen nicht diskriminiert werden!
Ich danke für die Unterstützung meines Postulates.