Flach Beat · Nationalrat · 2024-03-14
Flach Beat · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2024-03-14
Wortprotokoll
Als ich kürzlich mit einer Besuchergruppe hier im Bundeshaus war und wir darüber sprachen, welche Geschäfte wir in dieser Session behandeln, sagte ich, dass wir insbesondere wieder die Doppelnamen einführen. Verschiedene fragten mich, warum man diese eigentlich abgeschafft habe. Ich glaube, das ist auch der Kern der Vorlage: Warum hat man sie damals abgeschafft? Das war keine kluge Entscheidung.
Seit 2017 haben wir mit der parlamentarischen Initiative Stamm einen Vorstoss unseres ehemaligen Ratskollegen auf dem Tisch, der nun in einen Gesetzentwurf gegossen wurde. Die Einreichung ist jetzt sieben Jahre her, und nun wollen Sie die Vorlage wieder an die Kommission zurückweisen, weil Sie finden, Kinder sollten davon ausgenommen werden.
Warum hat man Doppelnamen? Weil man als Paar zwei Identitäten, zwei Geschichten, zwei Historien und zwei Traditionen mit in eine Gemeinschaft bringt und weil man jeweils beides vielleicht weiterführen will. Es ist ein Zeichen nach aussen, dass man als Gemeinsames, aber mit separaten Geschichten, auf diesen Lebensweg geht. Diesen Lebensweg bestreitet man auch zusammen mit den Kindern. Darum ist es sinnvoll, dass wir diese Doppelnamen wieder einführen und dass wir wieder eine Liberalisierung haben. Man soll bestimmen können, wie man sich als Familienverband, als Nukleus der Gesellschaft, nennen will, und die Freiheit haben, es entsprechend so zu machen, wie man es dann leben will.
Nun möchte - ich vermute es zumindest - eine Mehrheit die Initiative wieder an die Kommission zurückweisen. Sieben Jahre Arbeit sollen quasi nochmals von vorne beginnen. Aber am Ende des Tages werden Sie wahrscheinlich die Quadratur des Kreises nicht hinbekommen, auch wenn Sie jetzt sagen, Sie wollen die Kinder hier ausnehmen. Stellen Sie sich vor, ich befinde mich am Flughafen. Ich heisse Flach-Kull oder Kull-Flach - das ist der Familienname meiner Frau -, mein Sohn heisst nur Flach oder nur Kull. Ich möchte grundsätzlich, dass die Kinder gleich heissen wie ich, das muss aber nicht sein. Wenn Sie schauen, wie die Patchworkfamilien in der Realität heute aussehen, dann fällt auf, dass es heute wirklich auch andere Realitäten gibt.
Ich bitte Sie, auf diese Vorlage einzutreten. Eine Subkommission hat sich vertieft mit all diesen Problematiken auseinandergesetzt. Es gab eine Vernehmlassung. Die Vernehmlassung zur groben Form der Wiedereinführung von Doppelnamen, wie wir das hier jetzt vorliegen haben, ist mehrheitlich sehr positiv ausgefallen. Ich glaube entsprechend nicht, dass wir mit einer Rückweisung an die Kommission tatsächlich das Ei des Kolumbus entdecken werden, sondern es wird wahrscheinlich einfach eine andere Variante kommen.
Sollte diese Rückweisung obsiegen, insbesondere der Einzelantrag Aeschi Thomas Nr.[NB]3, kann ich mir vorstellen, dass man dann halt nicht mit der kleinen und nicht mit der ganz grossen Lösung, sondern vielleicht eben mit einer Dreiviertellösung wieder kommt. Aber ich möchte Ihnen einfach zu bedenken geben, dass wir, wie gesagt, jetzt sieben Jahre an dieser Frage gearbeitet haben und die Leute, die Menschen im Land, heutzutage überhaupt nicht verstehen, weshalb wir dieses restriktive Namensrecht nicht schon längst wieder rückgängig gemacht und die Doppelnamen nicht wieder eingeführt haben.