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Z'graggen Heidi · Ständerat · 2024-03-14

Z'graggen Heidi · Ständerat · Uri · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2024-03-14

Wortprotokoll

Ich danke Ständerat Müller, dass er mit seiner Interpellation auf dieses wichtige Thema aufmerksam gemacht hat. Ich selber engagiere mich bei der Stiftung Papilio in Altdorf, die Kinder mit Beeinträchtigungen betreut, und sehe ein bisschen in diese anspruchsvollen Situationen hinein.

In meinem Votum möchte ich namentlich auf die gesellschaftliche Entwicklung eingehen, die eben Zwischenformen viel wichtiger macht. Als die EL starteten, entsprach die Zweiteilung - entweder Betreuung zuhause oder im Heim - in vielen Fällen der gesellschaftlichen Realität. Heute sehe ich aber namentlich drei Situationen, wo dieser Dualismus, wie er jetzt genannt wird, für Probleme sorgt.

Es gibt also Situationen, wo es insbesondere aufgrund des Fachkräftemangels und speziell bei Personen mit sehr hohem Pflege- und Betreuungsbedarf dazu kommt, dass es schwierig ist, überhaupt für die ganze Woche einen Platz zu finden. Wenn dann ein Heim eine Zusage für eine Mehrheit der Tage gibt, brauchen die Angehörigen auch eine Lösung für die Finanzierung der anderen Tage, an welchen zum Beispiel ihr erwachsenes Kind nicht im Heim sein kann.

Zweite Situation, das hat sich jetzt eben zum Beispiel bei der Stiftung Papilio so entwickelt: Früher übernachteten ja viele Kinder mit Beeinträchtigungen zu einem grossen Teil in der Sonderschule, waren von ihren Familien also getrennt, und das setzte sich dann im Erwachsenenalter fort. Diese Menschen bekamen vielleicht ein- bis zweimal pro Woche von den Angehörigen Besuch, vielleicht wurde noch ein kleiner Ausflug gemacht, aber sonst hatten oder lebten sie ein sehr separiertes Leben. Indem nun die ambulanten Möglichkeiten bei den Kindern, beispielsweise mit Assistenz und familienergänzender Betreuung neben der Schule, aufgebaut wurden, gibt es mehr Kinder, die zuhause aufwachsen, was ja sehr schön und wichtig ist. Es gibt mehr Familien, die eine Bindung haben, die innerhalb des Familienverbundes sehr stark wird. Die Eltern haben dann auch das Bedürfnis, regelmässig für ihre Kinder im Erwachsenenalter zu sorgen. Diese Töchter und Söhne leben dann oft Samstag und Sonntag, teilweise schon ab Freitag bei ihren Eltern, und heute kann man das nur machen, wenn man sich das auch leisten kann. Es ist finanziell unsinnig, es ist schwierig. Aber auch in Bezug auf den Fachkräftemangel können enorme Ressourcen eingespart werden, wenn die Heime übers Wochenende ihre Betriebe auf eine kleinere Zahl von Bewohnenden ausrichten können.

Es gibt drittens auch noch den Fall, wo Heimtage zur Entlastung der Angehörigen sinnvoll sein könnten. Das kann zum Beispiel dann der Fall werden, wenn die Erkrankung fortschreitet und die Angehörigen angesichts der immer schwerer werdenden Pflege und Betreuung diese nicht mehr alle Tage einfach zuhause leisten können.

Ich glaube deshalb, es ist sehr wichtig, dass wir dieser Situation gerecht werden - es wurde von meiner Vorrednerin und meinem Vorredner ausgeführt -, dass wir dies in der Revision der EL beim Thema "Betreutes Wohnen" aufnehmen und hier für diese unterschiedlichen Bedürfnisse Lösungen finden können.