Wyss Sarah · Nationalrat · 2024-04-17
Wyss Sarah · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-04-17
Wortprotokoll
Psychische Erkrankungen sind heute die häufigste Ursache von Hospitalisierungen bei den 10- bis 24-Jährigen; das sollte uns zu denken geben. Gerade junge Frauen sind besonders betroffen. Wir müssen gemeinsam alles daransetzen, die Hospitalisierungsrate zu senken - nicht in erster Linie wegen der Kosten, sondern wegen der jungen Menschen.
Die Warteliste bei Problemen in Krisenfällen beunruhigt mich in der Tat. Je nach Region ist die Versorgungslage angespannt, wenn nicht sogar prekär. Wir müssen handeln - nicht nur hier im Bundeshaus, sondern überall. Dass Handlungsbedarf besteht, ist in der Politik angekommen. So ist es nicht erstaunlich, dass dieses Postulat, das vor zwei Jahren erarbeitet und von Vertretungen aus allen Parteien mitunterzeichnet wurde, nicht Ausfluss einer einzelnen Bemühung ist. Gerade letzte Woche haben wir in der SGK eine Motion für die Versorgungssicherheit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verabschiedet; es handelt sich um eine wichtige Motion für kostendeckende Tarife. Und trotzdem reicht es nicht.
Mitunter müssen wir die Kinder und Jugendlichen früher abholen, Hospitalisierungen vermeiden, mittels Sensibilisierung, Information und Aufklärung durch Fachpersonen, aber auch durch die Betroffenen selbst. Ein Ort, um die Jugendlichen zu erreichen, sind die Schulen. Genau dort setzt das Postulat an. Dieses wurde übrigens gemeinsam mit zwei jungen betroffenen Frauen erarbeitet, und zwar im Rahmen der Online-Plattform Engage. Wir hatten heute schon einen solchen Vorstoss, ein sehr begrüssenswertes Engagement, das zeigt, dass diese Thematik nämlich auch die Schulen, die jungen Menschen betrifft. Das Postulat haben wir so ausgearbeitet, dass es eben kein Top-down-Ansatz ist. Im Gegenteil, es fordert ein Zusammenspiel aller Akteure: der Fachpersonen, der jungen Betroffenen selbst, der Lehrpersonen, der Kantone und der Gemeinden. Wir alle müssen an einem Strang ziehen. Ich kann es deshalb nicht ganz nachvollziehen - auch wenn ich weiss, dass es Sie nicht[NB]mehr[NB]betroffen[NB]hat,[NB]da[NB]die Stellungnahme schon vorher gekommen ist -, dass dieses Postulat nicht entgegengenommen wird.
Mir ist sehr wohl bewusst, dass unser System die Aufteilung der Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen vorsieht. Und dennoch: Die Gesundheitsversorgung hört nicht an einer Kantonsgrenze auf. Es ist deshalb wichtig, dass wir einen Aktionsplan ausarbeiten, dass wir psychische Erkrankungen ernst nehmen, dass wir dort niederschwellig ansetzen, wo die jungen Menschen auch anzutreffen sind, nämlich an den Schulen.
Im Sinne von "das eine tun und das andere nicht lassen" bitte ich Sie, dieses Postulat anzunehmen, das von Mitgliedern aus allen Parteien mitunterzeichnet worden ist.