Strahm Rudolf · Nationalrat · 2003-05-07
Strahm Rudolf · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-05-07
Wortprotokoll
Diese Umlagerung durch die Mehrheitsanträge in Artikel 1 der Vorlage 3 und Artikel 1 der Vorlage 4 ist für uns sehr zentral. Es geht um die Verschiebung: 20 Millionen Franken weniger als Bundesgelder für die betrieblichen Streusubventionen der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit, dafür 20 Millionen mehr für InnoTour, zugunsten der Bildung, der Nachholbildung und der Qualifikation. Es geht um eine Umlagerung von 20 Millionen bzw. von 4 Millionen pro Jahr. 4 Millionen Franken pro Jahr sind nicht sehr viel. Ich muss hier sagen: Ich bin jetzt erstaunt, Herr Bezzola, dass die Mehrheit der Kommission aus touristischen Kreisen plötzlich nicht mehr unterstützt wird. Ich höre, dass Gastrosuisse für diese Umlagerung ist - ich hörte das aus dem Munde des Präsidenten -, und ich höre, dass der Schweizer Hotelier-Verein nicht dagegen ist.
Was bedeutet diese Umlagerung? Sie ist von Herrn Wandfluh fast karikiert worden, es sei eine blosse Bildungsförderung. Im Hintergrund steht folgendes Konzept: Das Problem im Tourismus ist doch das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis, d. h. der Qualifikationsmangel beim Service, im Hochpreisland Schweiz. Ich gehe nicht davon aus, dass wir sofort die Kosten herunterbringen. Was wir aber verbessern können, ist die Leistung, d. h. die Qualifikation des Personals. Der Tourismus, das Gastgewerbe, die Hotellerie, bilden die personalintensivste Branche, und wenn man diese verbessern will, ist eben die Investition in Nachholbildung und Qualifikation des Personals entscheidend. Von den, je nach Abgrenzung, rund 100 000 Beschäftigten in diesem Bereich ist mindestens die Hälfte zu wenig ausgebildet. Es gibt schon solche Nachhol-Qualifikationsprogramme: Ich war in Hertenstein im Schulungsprogramm des Hotelier-Vereins und von Gastrosuisse, in den so genannten Perfecta-Kursen, welche Leute, die schon in der Branche arbeiten - natürlich mehrheitlich ursprünglich ausländisches Personal -, in einem Jahr in einer Nachholausbildung schulen. Es ist anzuerkennen, dass die Branche schon etwas tut und, ich glaube, 1 Million Franken einsetzt.
Es geht jetzt eigentlich darum, diese Kurse, die als Vorspuraktion gelten, generell für die Qualifikation der Branche einzusetzen. In dem Sinn ist es die beste Investition, die Sie tätigen können. Die Mittel würden von InnoTour verwaltet, selbstverständlich in Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden und dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie. Aber es wäre ein Programm, das sehr praktisch orientiert ist und von der Branche umgesetzt wird.
Noch ein Wort zur Kürzung der Mittel für die Gesellschaft für Hotelkredit im Bundesbeschluss 3: Selbst wenn Sie bei 100 Millionen Franken bleiben, ist die Nutzschwelle für eine Entschuldungsaktion längst unterschritten. Ich habe heute Morgen gesagt, dass die Verschuldung im Bereich Gastgewerbe, Hotellerie und Tourismus 20 Milliarden Franken beträgt. Dann spielt es auch keine Rolle, wenn Sie hier jetzt 20 "Milliönchen" pro Jahr einsetzen. Diese Nutzschwelle ist unterschritten, und deswegen ist dort die Umlagerung auch gerechtfertigt.
Zum Schluss muss ich sagen: Wenn diese Umlagerung nicht vorgenommen wird, werden wir den Bundesbeschluss 3 nicht mehr unterstützen. Ich bitte Sie, der Mehrheit zu folgen.