Arslan Sibel · Nationalrat · 2024-06-03
Arslan Sibel · Nationalrat · Basel-Stadt · Grüne Fraktion · 2024-06-03
Wortprotokoll
Die Volksinitiative "für eine verantwortungsvolle Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen (Umweltverantwortungs-Initiative)" fordert, dass die Schweiz ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten so ausrichtet, dass unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten bleiben. Diese Initiative stellt nicht nur ein ökologisches Gebot dar, sondern ist auch eine moralische Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen und den von der Klimakrise am stärksten Betroffenen, insbesondere den Frauen.
Die Umweltverantwortungs-Initiative verlangt, dass wir unseren Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoss reduzieren, um die planetaren Grenzen einzuhalten. Innerhalb von zehn Jahren soll die durch den inländischen Konsum verursachte Umweltbelastung so weit reduziert werden, dass die Belastbarkeitsgrenzen des Planeten eingehalten werden. Dies betrifft die Bereiche Klimaveränderung, Biodiversitätsverlust, Wasserverbrauch, Bodennutzung sowie Stickstoff- und Phosphoreintrag.
Warum ist diese Initiative gerade für Frauen von so grosser Bedeutung? Frauen sind von den Folgen der Klimakrise [PAGE 1000] weltweit stärker betroffen. Dies ist wissenschaftlich erwiesen. Sie stellen in den ärmsten Ländern die Mehrheit der Bevölkerung und sind oft für die Sicherstellung der Grundversorgung ihrer Familien verantwortlich. Wenn extreme Wetterereignisse wie Dürren, Überschwemmungen oder Stürme zuschlagen, sind es oft die Frauen, die das meiste Leid tragen. Sie sind es, die längere Strecken zurücklegen müssen, um Wasser zu holen, wenn die örtlichen Quellen versiegen. Sie sind es, die ihre Familien ernähren müssen, wenn die Ernten ausfallen. Sie sind es, die zuerst auf Nahrungsmittel verzichten, wenn die Vorräte knapp werden.
Auch in der Schweiz sind die Frauen durch die Klimakrise besonders betroffen. Sie arbeiten häufiger in Berufen, die direkt von Umweltveränderungen beeinflusst werden, wie im Gesundheitswesen oder im Bildungssektor. Zudem sind Frauen stärker in der unbezahlten Pflege- und Sorgearbeit engagiert, was sie für die sozialen und ökonomischen Auswirkungen der Klimakrise anfälliger macht.
Gerade deshalb haben unsere Klimaseniorinnen sogar versucht, sich auf internationaler Ebene Gehör zu verschaffen. Egal, welche Haltung wir zum Klimaurteil haben, die Tatsache, dass sich betroffene Menschen, ältere Frauen, die Klimaseniorinnen, in diesem Zusammenhang für ihre Anliegen einsetzen, zeigt, dass sie sich in dieser Angelegenheit den notwendigen Schutz und eine Veränderung wünschen.
Die Umweltverantwortungs-Initiative bietet uns die Möglichkeit, diese Ungerechtigkeiten anzugehen. Durch eine verantwortungsvolle Wirtschaftsweise, die die planetaren Grenzen respektiert, schaffen wir eine nachhaltigere und gerechtere Zukunft. Wir schützen nicht nur unsere Umwelt, sondern stärken auch die Resilienz unserer Gesellschaft und insbesondere der Frauen, die oft an vorderster Front gegen die Auswirkungen der Klimakrise kämpfen.
Der Bundesrat und das Parlament haben bereits Massnahmen in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Klimapolitik, Agrarpolitik und nachhaltige Entwicklung eingeleitet. Doch diese Schritte sind, wie wir alle wissen, nicht ausreichend. Die Umweltverantwortungs-Initiative fordert uns auf, mutiger zu sein und entschiedener zu handeln. Nur so können wir sicherstellen, dass die Schweiz ihren fairen Beitrag zur Bewältigung der globalen Umweltkrise leistet.
Ein Teil der Kommission unterstützt die Initiative und erkennt die Notwendigkeit, mindestens einen direkten Gegenentwurf vorzulegen. Dieser Teil argumentiert zu Recht, dass eine intakte Umwelt die Grundlage unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohlstands ist.
Unsere Ressourcen sind beschränkt, und unsere wirtschaftliche Entwicklung muss innerhalb der planetaren Grenzen erfolgen. Mit den planetaren Belastungsgrenzen setzt die Initiative auf ein international anerkanntes wissenschaftliches Instrument. Es ist an der Zeit, dass wir diese Argumente ernst nehmen und uns für eine nachhaltige und gerechte Zukunft einsetzen.
Indem wir die Umweltverantwortungs-Initiative unterstützen, setzen wir ein klares Zeichen für den Schutz unserer Umwelt und für die Rechte und das Wohlbefinden der Frauen, die von der Klimakrise besonders betroffen sind. (Beifall auf der Tribüne)