Fässler Daniel · Ständerat · 2024-06-04
Fässler Daniel · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2024-06-04
Wortprotokoll
Ich weiss nicht wörtlich, was die Regierung des Kantons Appenzell Innerrhoden geschrieben hat. Ich kann nur sagen: Wäre ich noch Landammann von Appenzell Innerrhoden, dann wäre vielleicht eine ablehnende Stellungnahme abgegeben worden. Ich war vor einem Jahr Berichterstatter der UREK unseres Rates, die beantragte, eine Motion der UREK des Nationalrates abzulehnen. Der Sprecher der Minderheit hat es erwähnt, unser Rat hat diese Motion aus dem Nationalrat damals deutlich abgelehnt. Die Gründe, die mich heute zum Nein führen, sind immer noch die gleichen, bzw. ich kann es auf einen einzigen Grund reduzieren: Baukultur ist Sache der Kantone.
Mein Nein zur Verankerung der hohen Baukultur im Bundesrecht ist kein Nein zu einer guten Baukultur, im Gegenteil. Ich lege persönlich grossen Wert auf eine Baukultur, die das baukulturelle Erbe berücksichtigt, die regionale Bautradition in einer hohen Qualität weiterentwickelt und damit einen schweizweiten Einheitsbrei verhindert. In meinem Kanton, in Appenzell Innerrhoden, haben wir das erreicht, unter anderem mit einem von der Kantonsregierung in Auftrag gegebenen baukulturellen Leitbild, das im August 2018 veröffentlicht wurde. Ich durfte damals ein längeres Vorwort dazu verfassen.
Ob diese regionale, handwerkliche Baukultur die hohen Ansprüche der Protagonisten der hohen Baukultur zu erfüllen vermag, bezweifle ich allerdings. Dass sie deswegen schlechter ist und im Kontrast zur hohen Baukultur quasi die niedrige Baukultur darstellt, bezweifle ich aber ebenso.
Das führt mich zu einer Schlussbemerkung, die sich auf alle Kulturbereiche bezieht: Gute Kultur baut meines Erachtens auf Tradition auf und sucht die Innovation. Das gelingt nicht nur in der hohen Kultur. Das nicht professionelle Kulturschaffen, ich nenne es zur Abgrenzung Amateurkultur, kommt in der Kulturförderung und auch in der neuen Kulturbotschaft generell zu kurz. Ich bedauere das. Denn Amateurkultur muss nicht schlechter sein - kostengünstiger ist sie allemal.