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Brunner Toni · Nationalrat · 2003-06-02

Brunner Toni · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2003-06-02

Wortprotokoll

Seitens einer starken Kommissionsminderheit beantrage ich Ihnen, die Motion Maissen zu überweisen. Auch wenn der Wolf durchaus das Zeug zu einem emotionalen Schlagabtausch hergeben würde, so versuche ich doch, Ihnen ganz sachlich und nüchtern aufzuzeigen, warum es diese Motion zu unterstützen gilt. Es soll mir im Nachhinein bloss niemand kommen und uns Befürworter dieser Motion als blutrünstige Wolfsjäger titulieren; schliesslich kommt der Vorstoss aus der politischen Mitte.

Was verlangt die Motion? Sie verlangt nichts anderes, als dass der Wolf keinen besonderen Schutzstatus geniessen und dass das "Konzept Wolf Schweiz" unter der Federführung des Buwal nicht umgesetzt werden soll. Was beinhaltet das "Konzept Wolf Schweiz"? Darin ist niedergeschrieben, dass der Wolf eine wichtige Rolle in der Evolution der Fauna spielt, dass sein Überleben gesichert werden muss und die Bestände überwacht werden müssen. Die Schweiz soll daher zur langfristigen Erhaltung einer lebensfähigen Population im Alpenraum beitragen.

Gemäss Konzept sind drei Phasen vorgesehen: eine Einwanderungsphase der Wölfe, eine Entwicklungsphase von Einzeltieren hin zu Rudeln und eine Ausbreitungsphase, in der die Rudel frei durch unser Land ziehen sollen. Kein Mittel und kein Aufwand sollen zu gross sein, um all diese Ziele des Konzeptes zu verwirklichen. Schutzmassnahmen werden vorgeschlagen, hauptsächlich für Schafe und Ziegen: Behütung, Bewachung rund um die Uhr, 24 Stunden, weil Einzäunung nicht viel bringt; Entschädigungen sollen nach einem Modus gesprochen werden, 50 Schafe müssten von demselben Wolf gerissen werden - man muss das nachweisen, damit es Entschädigungen gibt. Natürlich sollen die Wölfe durch Forscher überwacht werden. Wenn das geschieht, wie es momentan bei uns in der Ostschweiz beim Luchs geschieht, dann macht man das mit Halsbändern, Peilsendern, Flächenflugzeugen und installierten Kameras.

Nicht die Entschädigungszahlungen werden ins Gewicht fallen, sondern viel eher die umfassenden Schutzmassnahmen, Betreuungs- und Forschungskosten, die ich genannt habe. Es gibt keine befriedigende Gesamtübersicht über die möglichen anfallenden Kosten. Aber allein für die Behütung der Nutztiere rechnet das Bundesamt für Landwirtschaft mit mindestens 10 Millionen Franken jährlich. Sie sehen wohl: Es ist nicht vermessen, grundsätzlich die Frage zu stellen, ob sich dieser ganze Aufwand lohnen würde, notabene für eine Tierart, die gar nicht vom Aussterben bedroht ist. In Europa, inklusive Russland, leben mehrere zehntausend Wölfe. Daher ist das kein Tier, das bedroht ist.

Gemäss Motion soll der Wolf kein geschütztes Tier sein. Lebt er zurückgezogen, so soll er sein Leben geniessen. Dies mag ihm ein jeder gönnen. Aber wenn es zu Übergriffen, zu Schäden kommt, so soll eine Bejagung unbürokratisch möglich sein. Der Bund hat darauf hinzuwirken, dass der Wolf in der Berner Konvention um eine Stufe zurückversetzt wird. Ansonsten muss die Schweiz - übrigens wie viele andere Länder auch - einen Vorbehalt erwirken. Schliesslich hat der Bundesrat im Jahre 1980 in der Botschaft zur Berner Konvention versichert, dass dies jederzeit möglich sei.

Wir wollen, dass das Wolfskonzept Schweiz nicht umgesetzt wird. Es ist eine Illusion zu glauben, dass in unserem Land ein friedliches Nebeneinander zwischen Wolf und Mensch möglich sei - denken wir nur an die landwirtschaftliche und touristische Nutzung.

Wir kennen es auch von Beispielen aus dem nahen Ausland: Im Jahre 1999 genügten in Frankreich fünf Wolfsangriffe, um 834 Schafe in den Abgrund zu treiben. Daneben gab es 303 weitere Angriffe mit 1100 weiteren gerissenen Nutztieren. Dieselben Zahlen haben wir aus dem Jahr 2000. Es gibt auch Zahlen aus der Toskana, die eindrücklich sind: Zwischen 1991 und 1995 sind bei einem Vorkommen von nur wenigen Wolfsrudeln nicht weniger als 12 750 Schafe, 400 Ziegen, 150 Kühe und 65 Pferde von Wölfen angegriffen und verspiesen worden.

Alle diese Beispiele zeigen, dass es letztlich um eine grundsätzliche Frage geht: Wollen wir ein schlicht unnötiges Konzept des Buwal mit grossem Aufwand und unabsehbaren finanziellen Folgen stoppen und damit Signale für die Zukunft aussenden - Stichwort "Bär" usw.? Oder wollen wir dem Buwal in Zukunft einen Freipass geben, obwohl es sich hierbei um alles andere als um eine Kernaufgabe des Staates handelt und immense Steuergelder verschleudert werden?

Ich bitte Sie namens einer starken Minderheit, diese Motion Maissen zu überweisen.