Funiciello Tamara · Nationalrat · 2024-09-11
Funiciello Tamara · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-09-11
Wortprotokoll
Bevor Sie in die Mittagspause gehen, noch ein paar Worte von mir: Zuerst möchte ich mich bei Herrn Addor bedanken. Ich freue mich natürlich sehr, dass Sie ab jetzt auf Generalisierungen verzichten möchten. Das finde ich natürlich gerade bei diesem Thema sehr wichtig.
Dann zur Frage, wieso wir diese Motion überhaupt eingereicht haben: Wir haben - Herr Flach hat es sehr gut dargestellt - diese Motion aufgrund einer letztes Jahr veröffentlichten Studie eingereicht, die aufgezeigt hat, wie schlimm das Ausmass von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche ist. Nun ist das nicht der einzige Grund für die Einreichung dieser Motion, denn wir kennen dieses Problem, wie gesagt, nicht nur im Rahmen der katholischen Kirche, sondern wir kennen es auch in anderen Fällen. Wir hatten Fälle im Sport, wir hatten Fälle in schulischen Zusammenhängen, und wir hatten Fälle in anderen Institutionen. Genau da setzt diese Motion an.
Was will diese Motion? Diese Motion will kein Bürokratiemonster, diese Motion will nichts Aussergewöhnliches, sondern was sie will, ist eigentlich das, was man heute in der Umgangssprache "the bare minimum" nennt, also das Mindeste, das, was eigentlich die Grundlage sein sollte, auf der wir überhaupt arbeiten können. Die Motion will, dass wir verpflichtende, standardisierte sowie verbindliche Schutzkonzepte zur Prävention gegen Missbrauch schaffen.
Mir ist wirklich nicht ganz klar, wie man hier dagegen sein kann, denn es ist die Basis, um dafür zu sorgen, dass unsere Kinder sicher sind, nicht mehr und nicht weniger. Es ist auch nichts Neues, wir haben es im Bereich des Sports bereits getan, wir kennen das, da haben wir das bereits angewendet. Das könnte man jetzt einfach auch auf andere Domänen anwenden.
Nun sagt der Bundesrat, das sei ja alles schön und gut, aber es sei eigentlich der Auftrag der Kantone, das zu tun. Aber wir können nicht einfach eine bürokratische Antwort auf diese Geschichte geben. Dem missbrauchten Kind und seinen Eltern ist es mehr oder weniger egal, wer zuständig ist. Was sie wollen, ist, dass das nicht passiert und nicht mehr passieren kann, und dafür sind wir zuständig, egal, ob Bund oder Kantone. Wir müssen dafür sorgen, dass das nicht mehr passieren kann. Das ist unsere Verantwortung, und die nehmen wir im Moment nicht wahr.
Damit komme ich zum Schluss noch auf das traktandierte Postulat. Wir finden dieses Postulat gut. Es ist im Lichte der Geschichten, von denen wir letztes Jahr gehört haben, absolut richtig, dass hier angesetzt wird und weiter geschaut wird, was noch alles nötig ist, um unsere Kinder zu schützen. Es ist richtig, zu schauen, was genau gemacht werden muss, falls es zu Missbrauch kommt. Aber das heisst noch lange nicht, dass wir mit dem Postulat unsere Motionen ersetzen können, denn, wie bereits gesagt, unsere Motionen bilden die Grundlage, es ist das, was jetzt gemacht werden muss; alles andere kann man dann noch zusätzlich machen.
Wir sind aber nicht bereit, vier Jahre auf eine Postulatsantwort zu warten und irgendeinen Bericht zu bekommen, in dem steht, dass man etwas hätte machen sollen. In der Zwischenzeit werden wieder Fälle publik werden, und dann sind wir hier im Saal wieder schockiert, dass nichts passiert ist. Das muss man jetzt angehen, das muss man jetzt[NB]machen![NB]Ich[NB]denke,[NB]wir haben hier wirklich eine vernünftige, sinnvolle und den Umständen angepasste Lösung auf dem Tisch.
Danke, dass Sie diese Motionen annehmen.