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Silberschmidt Andri · Nationalrat · 2024-09-11

Silberschmidt Andri · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2024-09-11

Wortprotokoll

Alles oder nichts, das ist die Devise beim Bezug der Gelder aus der dritten Säule. Über drei Millionen Erwerbstätige in der Schweiz zahlen Gelder in ihre private Vorsorge ein, in die dritte Säule. Ein Teil dieser Menschen erlebt vor der Pensionierung eine böse Überraschung. Wer sich darüber schlaumacht, ob man das Kapital in Teilen beziehen kann, wird als Antwort erhalten, dass das nicht möglich sei.

Wer also in seinem ganzen Leben zum Beispiel 60[NB]000 Schweizerfranken angespart hat, muss das Geld von heute auf morgen gänzlich beziehen. Das ist nicht nur bei der Pensionierung der Fall, sondern beispielsweise auch beim Gang in die Selbstständigkeit. Wer sich selbstständig macht und dafür beispielsweise 20[NB]000 von 60[NB]000 Franken verwenden will, kann das heute nicht. Man muss alles beziehen oder halt nichts. Die fehlende Flexibilität ergibt keinen Sinn.

Diejenigen, die davon wissen, handeln vorzeitig. Bereits heute ist es möglich, mehrere Säule-3a-Konten zu eröffnen und darauf einzuzahlen. Man könnte also drei Konten eröffnen, auf jedes 20[NB]000 Schweizerfranken einzahlen und danach ein Konto nach dem anderen saldieren. Wer das aber nicht weiss, hat Nachteile. Man muss mehr Geld beziehen, als man braucht. Genau das will diese Motion nun ändern. Ich will, dass die Menschen die Freiheit haben, zu entscheiden, wann sie wie viel von ihrem Ersparten beziehen können. Das ist im Übrigen auch für Gelder auf einem Freizügigkeitskonto wichtig.

Dass nun Widerstand von links kommt, erstaunt mich sehr, denn von der heutigen Situation profitiert vor allem die Beratungsindustrie. Die Menschen sind unnötigerweise eingeschränkt. Wer sein Arbeitspensum zum Beispiel im Alter von 60, 62 oder 63 Jahren um 20 Prozent reduzieren will, plant allenfalls, den Einnahmenverlust durch eine Teilauflösung der Gelder der dritten Säule zu kompensieren. Das ist aber nur möglich, wenn man mehrere Konten hat. Die Möglichkeit eines Teilbezuges von Vorsorgegeldern würde die Selbstbestimmung der Menschen stärken.

Der einzige Einwand, der wohl nun kommen wird, ist, dass mit dem Teilbezug die Steuerbelastung optimiert werden [PAGE 1466] kann, indem nicht alles auf einmal ausbezahlt wird, sondern verteilt auf mehrere Male. Doch wie bereits erwähnt: Das kann heute bereits jede Person tun, die Kenntnis davon hat, dass sie mehrere Konten eröffnen muss. Wieso soll diese Möglichkeit aber nicht auch denjenigen offenstehen, die davon nichts wissen und darüber nicht beraten wurden?

Wer die Selbstbestimmung aller Menschen stärken will, der oder die stimmt Ja zur Motion, die den Teilbezug von Vorsorgegeldern ermöglichen will.