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Wicki Hans · Ständerat · 2024-09-23

Wicki Hans · Ständerat · Nidwalden · FDP-Liberale Fraktion · 2024-09-23

Wortprotokoll

Die Argumentation des Bundesrates und der Mehrheit unserer Kommission wirft bei mir schon einige grundsätzliche Fragen auf. Es ist unbestritten, dass das Medizinstudium zu den teuersten Studiengängen gehört. Aber es ist ebenso unbestritten, dass die Schweizerische Hochschulkonferenz aus Gründen der Praktikabilität genau diese Zulassungsbeschränkungen unterstützt. So kommen wir einfach nicht weiter.

Wir sehen zu, wie immer mehr Dörfer keine Ärzte mehr haben. Wir sehen zu, wie immer weniger Schweizer das Medizinstudium ergreifen. Wir sehen zudem, dass diejenigen, die das Medizinstudium dann absolviert haben, grundsätzlich immer weniger arbeiten, weil sie sich mehr auf ihre Work-Life-Balance fokussieren als auf die Erfüllung ihrer Aufgabe als Ärztin oder als Arzt. Das schafft schon Probleme. Ich frage mich, ob das Verfahren wirklich richtig ist, wenn in der Schweiz zwei Drittel der Personen, die gerne Medizin studieren würden, keinen Studienplatz erhalten.

Ich habe es gesagt, es fehlt an Nachwuchs, und zwar an eigenem Nachwuchs. Diese Löcher stopfen wir dann mit ausländischen Ärzten, was wiederum Löcher in deren eigenen Ländern verursacht. Und "on top of it" hören wir dann noch, die 10-Millionen-Schweiz sei genug. Aber eigentlich brauchen wir immer mehr Leute, die für uns die Arbeit machen, weil wir sie nicht ausbilden wollen. Und ja, ich gebe Ihnen recht, Herr Michel, konsequenterweise müssten wir Gelder sprechen. Ja, das ist so. Aber was ist schlecht daran? Man darf auch Prioritäten setzen. Vielleicht sollten wir die Priorität jetzt zugunsten der Ärzte setzen.

Ich muss Ihnen aber leider widersprechen, Kollege Michel: 650[NB]000 Schweizerfranken kostet vielleicht das gesamte Medizinstudium, aber sicher nicht in den ersten zwei Jahren. Es kostet in den letzten Jahren ziemlich viel, aber nicht in den ersten zwei Jahren. Andere Universitäten sind auch so weit gekommen, dass sie sagen, dass sie das über Prüfungen regeln würden, die so ausgerichtet sind, dass dann eine Aussage über die zukünftige Profession gemacht werden kann. Es ist so, dass an den ETH zum Beispiel eine Durchfallquote von 40 Prozent im ersten Jahr an der Tagesordnung ist. Was ist daran schlecht? Darf man das nicht? Ich weiss es nicht. Aber die Qualität leidet sicher nicht an den ETH.[NB]Zumindest[NB]sagen[NB]unser[NB]Bundesrat und alle Mitglieder der WBK, dass die ETH zu den Top-Universitäten der Welt gehören.

Ich finde einfach, das ist eine unfaire Geschichte, wenn man sagt, das könne es nicht sein, es koste viel und aus diesem Grund wolle man das nicht. Eine Selektion in den ersten zwei Jahren dürfte durchaus angebracht sein. Aus diesem Grund ist meines Erachtens das entsprechende Verfahren für das Medizinstudium unbedingt anzupassen. Vielleicht müssten wir uns überlegen, ob wir die Maturitätsprüfungen anpassen müssen. Das könnte schon sein, vielleicht gibt es da ein anderes Problem, nämlich jenes, dass wir zu viele Maturanden an die Universität entlassen und die Universitäten dann merken, dass sie zu schwach sind. Das könnte schon sein. Aber es gibt dazu aus meiner Sicht aktuell keine Evidenz.

Ich würde Ihnen dringend empfehlen, die Motion Roduit anzunehmen, damit wir unser eigentliches Problem in der Medizin selber regulieren und selber regeln können.