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Gafner Andreas · Nationalrat · 2024-09-26

Gafner Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2024-09-26

Wortprotokoll

Mit meiner Motion fordere ich den Bundesrat auf, der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren folgende Forderung zu stellen: Die obligatorische Vollintegration aller Kinder in die Regelklasse soll aufgehoben werden. Die Einzelfallintegration sowie die Wiedereinführung bewährter Förderklassen zum Wohle aller Kinder sollen geprüft werden.

Nach mehr als zehn Jahren Integration möglichst aller Schülerinnen und Schüler in die Regelklasse zeigt sich, dass der integrative Unterricht selten den erwünschten Nutzen für die Kinder mit besonderen Bedürfnissen bringt. Vielmehr wird die Integration aller Kinder in die Regelklasse oft als grosse Belastung empfunden. Das hehre Ziel der Inklusion ist gescheitert.

Viele Kinder mit Defiziten wären in kleinen Gruppen mit einer verständnisvollen Fachperson besser aufgehoben und könnten individueller gefördert werden. Für Kinder mit typischen Teilleistungsschwächen wie Legasthenie oder Dyskalkulie oder auch mit einer körperlichen Behinderung kann eine integrative Schulung, die sie unterstützt, nützlich sein, da sie in Kleinklassen oft unterfordert wären. Doch Kinder mit markanten Verhaltensauffälligkeiten müssten mindestens vorübergehend separat beschult werden können, da der Unterricht massiv gestört wird. Durch die grosse Unruhe im Klassenzimmer leidet die Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit aller Kinder.

Die aktuelle Schulsituation ist für pflichtbewusste, engagierte Lehrpersonen äusserst unbefriedigend, da sie durch die Gesamtbelastung den wenigsten Kindern gerecht werden können. Durch all die Sondersettings und die damit verbundenen Absprachen ist es der Klassenlehrperson kaum mehr möglich, den eigentlichen Berufsauftrag zu erfüllen. Oft hat bis zur Hälfte der Klasse Stütz- oder Ergänzungsunterricht. Resultat: Gestandene Lehrpersonen fliehen in die Teilzeitarbeit oder verlassen ihren ursprünglich geliebten Beruf. Dies ist auch in Anbetracht des aktuellen Lehrermangels dramatisch.

Nur mit mehr Ressourcen den riesigen Herausforderungen begegnen zu können, ist ein Irrglaube. Dazu stehen auch zu wenig schulische Heilpädagogen zur Verfügung. Durch die Aufhebung der Pflicht, alle Kinder in die Regelklasse zu integrieren, würden die differenzierte Einzelfallintegration und die Wiedereinführung von Förderklassen ermöglicht. Von einer solchen Anpassung des Sonderpädagogik-Konkordats würden alle Kinder und Lehrpersonen profitieren, und zudem [PAGE 1940] könnte so der Senkung des Schweizer Bildungsniveaus entgegengewirkt werden.

Ich danke Ihnen, wenn Sie meine Motion unterstützen.