Burgherr Thomas · Nationalrat · 2024-09-26
Burgherr Thomas · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2024-09-26
Wortprotokoll
Wir müssen der Realität ins Auge sehen. Ohne neue und moderne Kernkraftwerke werden wir in Zukunft zu wenig Strom haben; mittlerweile hat das auch der Bundesrat eingesehen. Oder aber wir werden abhängig von Kernkraftwerken oder anderen thermischen Kraftwerken im Ausland und werden zu überhöhten Preisen Elektrizität beziehen müssen. Ohne eine Langfristperspektive werden wir unsere Unabhängigkeit und unsere Handlungsfreiheit verlieren. Oder aber wir werden weiter an Standortattraktivität verlieren, wenn der Strom noch teurer wird. Grossunternehmen, aber auch KMU werden die überhöhten Strompreise berappen müssen.
Wir müssen das Kernenergiegesetz lockern und uns alle Optionen offenhalten. Ohne diese Handlungsfreiheit werden wir in ein Desaster laufen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird nicht schneller gehen. Es geht, das haben wir heute auch schon gehört, weniger schnell als erwartet. Der Widerstand gegen den Zubau von Windanlagen, gegen die Zupflasterung der Landschaft mit Solarpanels und sogar gegen die Wasserkraft ist mancherorts sehr gross. Die Prognosen der Energiestrategie sind nicht eingetroffen, und auch heute noch plant man blauäugig, hofft noch immer auf ein Wunder. Aber es ist doch unsere Pflicht, vorzusorgen und vorauszudenken, ohne Scheuklappen und mit nüchternem Blick. Also dürfen wir uns nicht auf einzelne Technologien versteifen, sondern müssen auch offen sein für neuere, bessere Kerntechnologien, die auf dem Weg sind.
Gleichzeitig brauchen wir ja immer mehr Strom. Fast alles soll elektrifiziert werden. Die Digitalisierung verlangt auch nach immer mehr Energie. Das geht doch nicht auf. Zudem ist klar, dass unsere erneuerbaren Energien nicht immer zur Verfügung stehen. Wir haben hier massive Lücken, das ist bekannt. Diese müssen wir mit einer konstanten Stromproduktion schliessen. Wenn wir hier nicht nachziehen, wird uns die Welt abhängen. Die Kernenergie wird fast überall vorangetrieben. Neue Werke werden geplant und gebaut. Diverse europäische Staaten - zum Beispiel Holland, wir konnten es heute lesen - machen eine Kehrtwende, weil es nicht ohne geht, weil die Abhängigkeit sonst zu gross wird.
Sicherheitspolitische Interessen spielen eine immer grössere Rolle. Auch davor dürfen wir die Augen nicht verschliessen. Mein Vorstoss will den Ersatz der bisherigen Kernanlagen an dem Ort ermöglichen, an dem sie jetzt stehen - wie wenn ein Haus kaputt ist, dann wird es erneuert. Dann sind auch die Baubewilligungen einfacher einzuholen. Noch wichtiger ist: Die Forschung im Bereich neuer Kerntechnologien soll ermöglicht werden. Prototypen und Investitionen sind frühzeitig nötig. Wir müssen endlich die Scheuklappen diesbezüglich ablegen. Ohne diese Korrektur werden wir vielleicht wieder von unliebsamen Akteuren und Regionen abhängig - wie wir das schon kennen. Einseitigkeit führt in die Abhängigkeit.
Deshalb braucht es jetzt einen offenen Blick. Für diesen offenen Blick und Ihre Unterstützung danke ich Ihnen.