Kälin Irène · Nationalrat · 2024-12-18
Kälin Irène · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2024-12-18
Wortprotokoll
Meine Minderheit hat es bereits im Rahmen der Budgetdebatte versucht, und ich versuche gerne noch einmal, mit einem kleinen Paradox aufzuräumen. Schweiz im Einkaufskorb, auf dem Tisch und im Teller ist top. Das gilt zu Recht bei vielen und bei immer mehr Einwohnerinnen und Einwohnern unseres Landes. Dafür dürfen sich die Bäuerinnen und Bauern ein Kränzchen winden. Im Grundsatz haben ich und meine Minderheit auch nichts dagegen, dass wir Geld ausgeben zur Förderung von noch mehr Schweiz im Teller und in Anerkennung der Leistung unserer Landwirte und Landwirtinnen, die einheimische Produkte bewerben.
Wo meine Minderheit aber ein Problem sieht und hat, ist, wenn der Staat gezielt Produkte fördert, die die Volksgesundheit belasten. Und nein, damit will ich nicht sagen, dass Schweizer Fleisch oder Schweizer Eier oder Schweizer Wein gesundheitsschädigend sind, aber bei den Mengen, die wir davon konsumieren, eben leider doch. Eine staatliche Förderung von Schweizer Fleisch und Eiern fördert den Konsum dieser Produkte, ohne dabei der Tatsache Rechnung zu tragen, dass wir in der Schweiz sowohl für unsere eigene Gesundheit wie auch für unseren Fussabdruck viel zu viel tierische Produkte verzehren. Weder das Klima noch unser eigener Körper ist auf unseren Überkonsum von tierischen Produkten ausgerichtet. Dasselbe gilt leider auch für Wein. Was senden wir für ein Zeichen, wenn der Staat den Genuss von Wein zusätzlich fördert und gleichzeitig in der Gesundheitsprävention Gegensteuer gegeben werden muss, weil wir letztlich alle wissen, dass selbst der beste Schweizer Wein bei übermässigem Genuss schlecht für unsere Gesundheit ist?
Zu Recht haben sich in den letzten Jahren die gesellschaftlichen Diskussionen über die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen des Konsums bestimmter Produkte, insbesondere von Fleisch und alkoholischen Getränken, intensiviert. Der Staat hat eine Verantwortung, die öffentliche Gesundheit zu fördern und die planetaren Grenzen nach Möglichkeiten zu wahren. Wenn er zugleich genau solche Produkte mit staatlichen Geldern bewirbt, dann widerspricht er sich selbst. Denn es ist und bleibt ein Paradox, wenn der Staat Werbung für Nahrungsmittel bezahlt, von denen wir in der Schweiz bereits einen übermässigen Konsum haben und von denen wir genau wissen, dass sie bei übermässigem Konsum für uns, unseren Körper, für die Umwelt und unseren Planeten schädlich sind. Das gilt leider für[NB]Fleisch[NB]und[NB]Eier[NB]genauso wie für Wein, auch wenn ich mir persönlich, wie wahrscheinlich viele von Ihnen, wünschen würde, dass der übermässige Genuss von Leckereien wie Wein und tierischen Produkten für mich und unseren Planeten gut wäre.
Deshalb ist meine Minderheit der Überzeugung, dass es höchste Zeit ist, mit dieser paradoxen staatlichen Absatzförderung von tierischen Produkten und Wein aufzuhören und das widersprüchliche Zeichen zu stoppen, das wir als Staat damit aussenden.