Maissen Theo · Ständerat · 2003-06-05
Maissen Theo · Ständerat · Graubünden · Christlichdemokratische Fraktion · 2003-06-05
Wortprotokoll
Ich dachte eigentlich, dass wir dieses Thema mit der Auseinandersetzung bzw. der Diskussion zum Gentechnikgesetz geregelt hätten. Mir kommt es ein wenig als Zwängerei des Nationalrates vor, dass man das nun hier so einführen will. Das Ganze erinnert mich etwas an die Maschinenstürmer des vorletzten Jahrhunderts, und zwar aus folgendem Grund: Gentechnologie ist eine Tatsache; sie ist da. Es geht darum, mit den Risiken und Chancen dieser Technologie umzugehen, und nicht darum, ihr auszuweichen oder sie gar zu verhindern.
Kollege Leuenberger, ich muss Ihnen ganz klar widersprechen; es wurde zum Teil schon erwähnt, aber ich möchte es nochmals festhalten: Es ist nicht so, dass von diesem Moratorium die Forschung nicht betroffen wird, denn landwirtschaftliche Forschung in diesem Bereich funktioniert nicht ohne Freisetzungsversuche. Weil mit diesem Moratorium die Freisetzung untersagt werden soll, wird die Forschung ganz erheblich beeinträchtigt. Das heisst, dass letztlich dieses Moratorium kontraproduktiv ist, weil wir dann in einen Rückstand zur Forschung im Ausland geraten und gleichzeitig das Wissen nicht haben, das wir nötig hätten, um mit dieser Technologie umzugehen.
Ich sehe im Beschluss des Nationalrates auch einen Widerspruch zum anderen Beschluss, den er in der gleichen Maisession gefasst hat, betreffend die 6 Prozent mehr Wachstum in Forschung und Bildung. Ich finde das an sich positiv, aber man kann nicht auf der einen Seite öffnen und auf der anderen Seite bremsen. Das ist kontraproduktiv.
Ich möchte Ihnen nur zwei Themenkreise aufzeigen, in denen die Forschung weitergehen muss und in denen es ohne Freisetzungsversuche nicht gehen wird: Ein Themenkreis ist das Auskreuzen, also die ungewollte Übertragung von gentechnisch verändertem Erbgut auf andere Pflanzen, und der zweite Themenkreis ist die Auswirkung auf Nichtzielorganismen, zum Beispiel auf tierische Nützlinge.
Das Ziel, das mit dem Moratorium erreicht werden soll, wird zudem nach meinem Dafürhalten längerfristig trotz Deklaration und Wahlfreiheit kaum erreicht. Wenn man Technologieentwicklungen über längere Zeit betrachtet, dann gehe ich davon aus, dass irgendeinmal der Zeitpunkt kommen wird, vielleicht schon in 10 bis 15 Jahren, wo gentechnisch veränderte Lebensmittel zu aller Menschen Normalität gehören werden und auch zu ihrem Nutzen sind.
Ein fünfjähriges Moratorium wäre mit einer Denkpause gleichzusetzen. Wir leben aber nicht in einer Zeit, in der wir mit Denken pausieren können. Stimmen Sie deshalb der Mehrheit zu.