Lexipedia

Riem Katja · Nationalrat · 2025-03-06

Riem Katja · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-03-06

Wortprotokoll

Wir ernten nicht mehr, was wir säen. In Zeiten, in welchen überall und insbesondere hier in diesem Saal immer mehr pflanzliche Produktion gefordert wird, werden die produzierenden Landwirtinnen und Landwirte immer mehr im Stich gelassen. Gestrichene Pflanzenschutzmittel, fehlende Wirkstoffe, voranschreitende Resistenzen, Lücken bei der Nährstoffversorgung und verschiedenste strenge Umweltauflagen - das sind nur einige Gründe, weshalb wir bei allen wichtigen Kulturen, welche in der[NB]Schweiz[NB]angebaut[NB]werden,[NB]Jahr[NB]für Jahr steigende Ertragseinbussen und Qualitätsverluste verzeichnen müssen. Ich empfehle Ihnen von Herzen, die Zahlen dazu nachzuschlagen.

Auch der Bundesrat hat begriffen, dass eine Kehrtwende bei der Versorgungssicherheit zwingend nötig wird. In seinem Bericht in Erfüllung des Postulates 20.3931 der WAK-S, "Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik", hält der Bundesrat als Hauptziele fest, die Arbeitsproduktivität solle gegenüber 2020 um 50 Prozent gesteigert werden und die Landwirtschaft solle im Jahr 2050 weiterhin mehr als die Hälfte der nachgefragten Lebensmittel in der Schweiz herstellen. Der Nettoselbstversorgungsgrad liegt aber schon[NB]heute[NB]nur[NB]noch[NB]bei[NB]46[NB]Prozent,[NB]und wie schon erklärt: Die Erträge sind im Sinkflug. Ohne Importe bleiben die Teller leer.

Es ist glasklar: Wir kommen nicht daran vorbei, neue Möglichkeiten und vor allem bessere Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft zu schaffen. Das Aussäen muss sich wieder lohnen. Glücklicherweise ist die Forschung nicht stehengeblieben. Insbesondere im Bereich der Pflanzenzüchtung sind neue Methoden ins Spiel gekommen, welche neue Hoffnung schöpfen lassen. Die neuen Züchtungstechnologien heben sich mit ihrer Präzision klar von den bestehenden Züchtungstechnologien wie der Kreuzungszüchtung oder der ungezielten Mutagenese ab.

Als SVP-Fraktion erachten wir es als wichtig, dass die Schweiz in dieser Frage nicht stehenbleibt. Wir haben uns deshalb umfassend von der Forschung informieren lassen und sind gespannt, welche Möglichkeiten das vom BAFU neu ausgearbeitete Gesetz enthalten wird. Wir vertrauen unserem Bundesrat Rösti, dass wir in dieser Frage nicht stehenbleiben werden. Im Ausland haben diese Verfahren nämlich längst Einzug gehalten: Schon heute werden die neuen Züchtungstechnologien bei vegetativ vermehrten Kulturen wie Äpfeln, Kartoffeln oder Weinreben erfolgreich angewendet. Über Importe sind die Resultate davon übrigens schon länger in unseren Ladenregalen und auf unseren Tellern angekommen. Es ist deshalb auch von grosser Bedeutung, dass wir die gesetzlichen Prozesse der EU eng verfolgen und allenfalls einbeziehen.

Von den neuen Züchtungstechnologien müssen wir jedoch die traditionelle Gentechnologie klar abgrenzen. Erhebliche Eingriffe mit fremdem Genmaterial, wie sie beispielsweise in den USA oder in Brasilien bei den herbizidresistenten Maissorten vorgenommen wurden, lehnen wir für die Schweiz klar ab. Wir müssen uns dabei aber bewusst sein, dass fast 90 Prozent der weltweiten Baumwoll-, Mais- oder Sojaproduktion mithilfe der klassischen Gentechnologie angebaut wird. Das Thema hat also weltweit eine grosse Bedeutung. Den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten wollen wir aber keinesfalls Schweizer Produkte auf dem Teller servieren, die so produziert wurden. Das Vertrauen in die Schweizer Produkte ist zentral und wertvoll, und damit wollen wir keine Spiele spielen.

Wir beantragen deshalb, dem Weg des Bundesrates zu folgen. Die klassische Gentechnologie wollen wir mit der Verlängerung des Moratoriums um fünf Jahre weiterhin klar verhindern, und für die neuen Züchtungstechnologien erwarten wir gespannt das neue Gesetz. Den Antrag der Minderheit Meier Andreas, der nur für eine verwirrende Vermischung sorgt, lehnen wir klar ab.

Mit Nachdruck unterstützen wir eine Pflanzenproduktion, welche in der Schweiz eine Zukunft hat, und setzen uns weiterhin dezidiert dafür ein, dass wir auch ernten können, was wir säen.

Riem Katja · Nationalrat · 2025-03-06 | Lexipedia | Lexipedia