Gugger Niklaus-Samuel · Nationalrat · 2025-03-11
Gugger Niklaus-Samuel · Nationalrat · Zürich · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-03-11
Wortprotokoll
"Unus pro omnibus, omnes pro uno": So lautet das bekannte Motto unseres Landes. Einer für alle, alle für einen. Leider trifft diese Devise im Milizdienst nur bedingt zu; denn es sind nur einige, die sich für alle einsetzen. Denn heute leistet gerade nur ein Drittel der Jugendlichen einen Dienst, meist im Militär. Der Anteil der Soldatinnen liegt aktuell bei nur 1,6 Prozent. Zwar ist dies eine Steigerung auf mehr als das Doppelte in den letzten fünf Jahren - danke, Frau Bundesrätin Amherd -, aber[NB]es[NB]ist[NB]immer[NB]noch[NB]weit entfernt vom Ziel der Bundesrätin, wonach der Anteil der Frauen bis 2030 auf 10 Prozent steigen soll.
Diese Realität stellt uns vor eine wichtige Frage. Wie können wir alle Menschen in der Schweiz dazu bringen, sich für das Gemeinwohl zu engagieren, und das auf eine inklusive, gerechte und zeitgemässe Weise? Die Service-citoyen-Initiative bietet darauf eine Antwort. Sie eröffnet neue Möglichkeiten für alle, sich zu engagieren, sei es als Soldat, als Pflegekraft, im Sozialdienst oder im Umweltschutz. Diese Initiative wandelt den traditionellen, oft als männlich und exklusiv wahrgenommenen Militärdienst in einen universellen Service citoyen um, der allen zugänglich ist, unabhängig von Geschlecht, Gesundheitsstatus oder Herkunft. Jeder Mensch kann gemäss seinen Fähigkeiten und Stärken einen wertvollen Beitrag leisten. Mit dem Service citoyen wird echte Inklusion ermöglicht, bei der niemand aussen vor bleibt[NB]und[NB]jeder[NB]einen[NB]Teil[NB]zum Wohl der Gesellschaft beiträgt - wahrlich nach dem Schweizer Motto "Einer für alle, alle für einen".
Damit werden Grundwerte gefördert, die für unser Land von grosser Bedeutung sind, um dem zunehmenden Individualismus und der Polarisierung entgegenzuwirken. Es geht um eine Mentalität des Dienstes für die Allgemeinheit, die wir kollektiv pflegen sollten. Denn gemeinsames Engagement, sei es im militärischen, zivilen oder umweltbezogenen Bereich, ist nicht nur eine Frage individueller Verantwortung. Es ist vor allem ein Akt der Solidarität, eine konkrete Geste, die unser Engagement für das Wohl anderer widerspiegelt.
Diese Mentalität des Engagements, der Fürsorge und des sozialen Zusammenhalts ist entscheidend in der heutigen Zeit. Es geht um Pflichtbewusstsein, um individuelle und kollektive Verantwortung, was den Milizgedanken stärkt. Heute sind generell weniger Leute bereit, sich längerfristig in der Miliz zu engagieren, was zu operativen Schwierigkeiten bei auf Freiwilligenarbeit basierten Institutionen führt. Wir kennen das bestens aus der Jugendarbeit und aus der Jugendförderung. Die Initiative wertet das Milizengagement in all seinen Formen auf und fördert die Bereitschaft, sich auch weiterhin freiwillig zu engagieren. Wer schon früh für das Gemeinwohl sensibilisiert wird, ist später auch eher bereit, sich weiterhin mit Überzeugung zu engagieren. Ich sehe das bei unseren Kindern.
Was mit dieser Denkweise erreicht werden kann, zeigt auch das Initiativkomitee am eigenen Beispiel. Es ist kein Zufall, dass gerade diese Initiative dazu geführt hat, einen der[NB]grössten[NB]Skandale unserer Demokratie aufzudecken: einen weit verbreiteten Betrug bei der Unterschriftensammlung. Die Initianten haben den Betrug und die Verantwortlichen öffentlich gemacht, obwohl das Überleben ihrer eigenen Initiative auf dem Spiel stand. Sie haben das Allgemeinwohl über ihr persönliches Interesse gestellt. Dafür braucht[NB]es[NB]genau[NB]diese[NB]Art[NB]von Pflichtbewusstsein, und dafür möchte ich den Initiantinnen und Initianten nochmals herzlich danken.
Wir von der EVP unterstützen zusammen mit den Jungparteien diese Initiative für einen universellen Bürgerdienst, denn [PAGE 273] sie entspricht dem wahren Geist des schweizerischen Milizsystems: einer für alle, alle für einen oder - wie es die Initianten in ihren eigenen Worten sagen - alle für alle.
[VS]